Witwenrente

Plötzlich allein im Leben: Wann habe ich Anspruch auf Witwenrente?k

  • Große & kleine Witwenrente
  • Altersgrenze beachten
  • Was wird angerechnet?
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Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

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Das Wichtigste zur Witwenrente auf einem Blick

Auf die Witwenrente haben Ehepartner:innen und eingetragene Lebenspartner:innen einen Anspruch. Sie ist nicht nur für Frauen gedacht. Die Hinterbliebenenrente – so die offizielle Bezeichnung können auch Männer bzw. Witwer beziehen.

Die Höhe der Witwenrente hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Rentenansprüche der verstorbenen Person ebenso wie das Jahr der Eheschließung, Ihr Alter und auch Ihr Einkommen und Ihre eigene Rente. Werden Freibeträge überschritten, wird die Witwenrente gekürzt.

Neben der großen und kleinen Witwenrente unterscheidet man altes und neues Recht. Vor allem bei der kleinen Rente macht sich dieser Unterschied deutlich bemerkbar.

Wenn Sie sich für immer von einem lieben Menschen verabschieden müssen, mit dem Sie gewissermaßen Ihr halbes Leben verbracht haben, ist dies eine seelische und emotionale Herausforderung. Nicht nur eine persönliche, menschliche Lücke tut sich dann auf. Auch finanziell kann es eng werden, vor allem wenn Ehepaare ihre Finanzen zusammengelegt haben. Die Hinterbliebenenrente, auch bekannt als Witwenrente bzw. Witwerrente, ist hier eine Hilfe. Wer darauf Anspruch hat, wer die große oder die kleine Rente erhält und was es bei der Anrechnung zu beachten gibt, haben wir für die hier zusammengestellt.

Wer hat Anspruch auf Witwenrente

Die sogenannte Witwenrente ist nicht anderes als eine Hinterbliebenenrente, die die gesetzliche Rentenversicherung auszahlt. Sie wird auch nicht ausschließlich an Frauen gezahlt, auch wenn der alltagssprachliche Begriff “Witwenrente” so etwas vermuten lässt. Als Witwerente erhalten auch Ehemänner diese Leistung, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.

  • Hinterbliebenenrente wird an hinterbliebene Ehepartner:innen sowie an eingetragene Lebenspartner:innen ausgezahlt.

Verlobte oder langjährige Lebensgefährt:innen haben hingegen keinen Anspruch auf diese finanzielle Unterstützung.

Folgende Voraussetzungen müssen außerdem für die Hinterbliebenenrente erfüllt sein

Ehedauer

Die Ehe muss mindestens ein Jahr bestanden haben. Ausnahmen von dieser Zeitregelung gibt es, wenn der Ehepartner oder die -partnerin durch einen Unfall ums Leben kommen.

Mindestversicherungszeit

Die verstorbene Person muss mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Wie hoch die Witwenrente schließlich ist und wie lange sie gezahlt wird, hängt von weiteren Faktoren ab. Wichtig ist unter anderem das Datum, wann die Ehe geschlossen wurde sowie Ihr Alter und Ihr Einkommen.

Genau wie bei der gesetzlichen Rente gab es bei den Hinterbliebenenrenten in der Vergangenheit verschiedene Anpassungen, die schrittweise eingeführt werden. Zudem sind altes und neues Recht sowie große und kleine Witwenrente zu unterscheiden. Dadurch braucht es ein paar Erklärungen, um die Berechnung der Witwen- und Witwerente zu verstehen. Mit den folgenden Tabellen erhalten Sie einen ersten schnelle Überblick, die Details dazu folgen unten im weiteren Text.

Hinweis: Die Witwenrente müssen Sie beantragen. Sie wird nicht automatisch ausgezahlt.

Neben Unterlagen wie der Heiratsurkunde und der Sterbeurkunde müssen Sie dazu ein umfangreiches Antragsformular ausfüllen. Bei der Rentenberatung der Deutschen Rentenversicherung erhalten Sie Hilfe, wenn Sie dazu Fragen haben.

Witwenrente nach altem Recht

  • Gilt für alle Ehen, die vor 2002 geschlossen wurden
  • Einkommen, das angerechnet wird: Erwerbseinkommen und eigene Rente
Große WitwenrenteKleine Witwenrente
Voraussetzungen– Eine:r der Ehepartner wurde vor dem 2.1.1962 geboren

– Altersgrenze erreicht (45 Jahre und 10 Monate für 2021)

– Eine:r der Ehepartner wurde vor dem 2.1.1962 geboren

– Alter unterhalb der Grenze für die Große Witwenrente

Rentenhöhe– 60 Prozent der Rente, auf die die verstorbene Person Anspruch hatte25 Prozent der Rente, auf die die verstorbene Person Anspruch hatte
Zeitdauerunbegrenztunbegrenzt
Kinderzuschlagkeinerkeiner

Witwenrente nach neuem Recht

  • Gilt für alle Ehen, die ab 2002 geschlossen wurden
  • Einkommen, das angerechnet wird: Erwerbseinkommen, gesetzliche Rente, private Renten, Kapitalgewinne, Mieteinnahmen, Betriebsrenten, Elterngeld, Krankengeld
Große WitwenrenteKleine Witwenrente
Voraussetzungen– Altersgrenze erreicht (45 Jahre und 10 Monate für 2021)

Oder

– Bei Erwerbsminderung

Oder

– Bei Erziehung eines minderjährigen Kindes

– Alter unterhalb der Grenze für die Große Witwenrente

 

– Keine Erwerbsminderung

– Keine Erziehung eines minderjährigen Kindes

– Mindestens ein Jahr Ehe

Rentenhöhe55 Prozent der Rente, die die verstorbene Person erhalten hätte25 Prozent der Rente, auf die die verstorbene Person Anspruch hatte
ZeitdauerunbegrenztMaximal 24 Monate
Kinderzuschlagkeinermöglich

Die große Witwenrente

Die große Witwenrente erhalten Hinterbliebene, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Neben den üblichen Voraussetzungen zur Hinterbliebenenrente, die oben schon genannt sind, müssen Sie eine der folgenden drei Bedingungen erfüllen:

  • Sie haben die festgelegte Altersgrenze erreicht. Für 2021 sind dies 45 Jahre und zehn Monate, ab 2022 werden es 45 Jahre und elf Monate sein.
  • Sie erziehen ein minderjähriges Kind.
  • Sie sind erwerbsgemindert und können aufgrund einer Krankheit nicht mehr zu 100 Prozent berufstätig sein.

Die Altersgrenze bei der großen Witwenrente (h3)

Seit 2012 wird die Altersgrenze für die große Witwenrente von 45 Jahren auf 47 Jahre erhöht. Die Übersicht unten zeigt anschaulich, wie sich die Grenze verschiebt, bis die gesetzliche Altersgrenze für diese Rentenart 2029 erreicht ist:

JahrAltersgrenze für die große Witwenrente
202145 Jahre und 10 Monate
202245 Jahre und 11 Monate
202346 Jahre
202446 Jahre und 2 Monate
202546 Jahre und 4 Monate
202646 Jahre und 6 Monate
202746 Jahre und 8 Monate
202846 Jahre und 10 Monate
202947 Jahre

 

Wie hoch ist die große Witwenrente?

Nach neuem Recht gilt folgende Regelung: Die große Witwen- oder Witwerrente beträgt 55 Prozent der Rente, auf die Ihr verstorbener Ehepartner beziehungsweise Ihre Ehepartnerin oder Ihr:e Lebenspartern:in Anspruch gehabt hätte. Es zählt entweder die Rente, die er oder sie zum Zeitpunkt des Todes erhalten hat oder hätte, falls die Person das Rentenalter noch gar nicht erreicht hat.

Anders sieht es aus, wenn Sie noch vor 2002 geheiratet haben und eine:r von Ihnen vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde. Dann gilt für Sie das sogenannte alte Recht.

Für Ihre Hinterbliebenenrente bedeutet das schlicht mehr Geld. Sie erhalten dann 60 Prozent der Rente, des Partners oder der Partnerin.

Zwei Punkte sind sehr wichtig:

  • Die große Witwenrente erhalten Sie auch Jahre nach dem Tod Ihrer Partnerin oder Ihres Partners, wenn Sie die geforderte Altersgrenze erreicht haben und wenn Sie bis dahin nicht wieder geheiratet haben. Immerhin haben Sie dann nach dem Gesetz einen Anspruch auf die Hinterbliebenenrente.
  • Die Zahlung der großen Witwenrente ist zeitlich unbegrenzt. Sie erhalten sie also, solange Sie verwitwet bleiben und kein neues Eheglück wagen.

 

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Wer erhält die kleine Witwenrente?

Die kleine Variante der Hinterbliebenenrente für Witwen und Witwer richtet sich an jüngere Personen, die keine minderjährigen Kinder erziehen. Sind Sie jünger als 45 Jahre und 10 Monate (Stand 2021), wenn Sie der Schicksalsschlag ereilt, dass der oder die Ehepartner:in stirbt, dann haben Sie Anspruch auf die sogenannte kleine Witwenrente. Die Altersgrenze verschiebt sich natürlich auch hier in gleicher Weise auf 47 Jahre.

Voraussetzungen für die kleine Witwenrente

Alter unterhalb der geltenden Altersgrenze (Anhebung auf 47 Jahre bis 2029)

Keine Erziehung minderjähriger Kinder

Mindestens ein Jahr Ehe

Keine Erwerbsminderung

Welches Geld Sie erhalten, hängt wieder davon ab, ob für Sie altes oder neues Recht gilt.

Nach neuem Recht ist es so: Sie erhalten 25 Prozent der Rente, die dem oder der Verstorbenen zusteht, ausgezahlt. Diese Leistung ist auf maximal 24 Monate begrenzt. Bekommen Sie in dieser Zeit, ein Kind, haben Sie Anspruch auf den Kinderzuschlag.

Witwen und Witwer, deren Hinterbliebenenrente nach altem Recht gehandhabt wird, erhalten ebenfalls ein Viertel der Rente, welche der oder die verstorbene Partner:in bekommen würde. Ein zeitliches Limit gibt es für sie jedoch nicht.

Sie können Ihre Lieben auch gezielt finanziell absichern. Je nach Lebenssituation bietet sich eine Risikolebensversicherung oder auch eine Sterbegeldversicherung an. Der Vorteil: Bei diesen Absicherungen können Sie selbst die Versicherungssumme bestimmen und für Ihre Familie vorsorgen. Vereinbaren Sie einen persönlichen Beratungstermin mit unseren Versicherungs-Berater:innen von Comfortplan und fragen Sie nach mehr Infos – natürlich unverbindlich und kostenlos.

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Jenny Gebel Online-Redakteurin

Was ist das Sterbevierteljahr?

Die Fragen rund um die Höhe und altes oder neues Recht müssen kurz nach dem Tod des geliebten Menschen zum Glück nicht sofort eine Rolle spielen. Nicht sofort heißt: drei Monate lang nach dem Tod des Partners oder der Partnerin. So lang ist das sogenannte Sterbevierteljahr.

In dieser Zeit zahlt die Rentenversicherung den Hinterbliebenen die Rente komplett aus, ohne Abschläge und ohne die Einschränkungen, die für die Witwenrente gelten.

Ihr eigenes Einkommen wird in diesen drei Monaten ebenfalls nicht auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.

Und danach? Welches Geld wird ausgezahlt?

Hat der oder die Ehepartner:in oder Lebenspartner:in bereits Rente erhalten, zahlt die Rentenkasse die üblichen monatlichen Rentenbeträge aus.

War die oder der Verstorbene noch nicht im Rentenalter, berechnet die Rentenversicherung, welche Rente er oder sie erhalten hätte. Die Hinterbliebenenrente wird auf Grundlage der vollen Erwerbsminderungsrente gezahlt. Auch die Abschläge richten sich danach. Für jeden Monat, den die Person von der geltenden Altersgrenze entfernt ist, werden 0,3 Prozent des Rentenbetrages einbehalten.

Überraschung: Auch hier gibt es eine Altersgrenze, die sich jedes Jahr um ein bis zwei Monate nach hinten verschiebt. Sie entspricht der Altersgrenze für die abschlagsfreie Rente bei Erwerbsminderung. Diese wird schrittweise von 64 auf 65 Jahre erhöht. 2021 liegt sie bei 64 Jahren und sechs Monaten. Bis 2024 soll sie auf 65 Jahre angehoben werden.

Die gute Nachricht ist: Diese Abzüge sind begrenzt auf höchstens 10,8 Prozent. Das entspricht einem Zeitraum von drei Jahren.

Welche Einkommen werden angerechnet?

Nach dem Sterbequartal interessiert sich die Rentenversicherung dafür, wie viel Einkommen Sie neben der beantragten Hinterbliebenenrente haben. Diese Einkünfte werden nämlich auf Witwer- oder Witwenrente angerechnet:

  • Arbeitslohn
  • Arbeitslosengeld I, Krankengeld, die gesetzliche Rente
  • Betriebsrenten
  • Renten aus privaten Versicherungen (Unfall, Lebensversicherung, Rentenversicherung)
  • Elterngeld
  • Einkommen aus Vermietung oder Verpachtung
  • Kapitalgewinne (Zinsen)
  • Hinweis: Die Anrechnung von Einkünften aus privaten Versicherungen, Betriebsrenten, Miet- und Kapitaleinnahmen erfolgt nicht, wenn Sie Witwenrente nach altem Recht erhalten.

Die Berechnung der Abzüge ist recht kompliziert. So wird aus den verschiedenen Einkommen über einen Pauschalabzug ein monatliches Nettoeinkommen ermittelt. Davon wird anschließend noch ein bestimmter Freibetrag abgezogen. Folgende Freibeträge gelten für die Witwenrente 2021

Euro
Alte Bundesländer
Euro
Neue Bundesländer

Von dem Einkommen, was diese Grenze übersteigt, werden 40 Prozent ausgerechnet. Dieser Wert wird dann von Ihrer monatlichen Hinterbliebenenrente abgezogen.

Die Grundrente wird übrigens nicht als Einkommen angerechnet. Stattdessen können Sie diesen Zuschlag erhalten, wenn Sie eine Witwenrente beziehen – vorausgesetzt Sie erfüllen die Bedingungen.

Wann besteht kein Anspruch auf Hinterbliebenenrente?

Solange Sie verwitwet bleiben und nicht erneut heiraten, haben Sie Anspruch auf diese Rente.

Der Anspruch auf die kleine und die große Witwenrente erlischt, wenn Sie

  • erneut heiraten.
  • sich für ein Rentensplitting entscheiden. Bei dieser Variante teilen sich Ehepaare oder Lebenspartner:innen die Rentenansprüche zu gleichen Teilen untereinander auf.

Habe ich auch als geschiedene Witwe einen Anspruch auf die Rente?

Als geschiedene:r Ehepartner:in erhalten Sie eigentlich keine Hinterbliebenenrente. Es gibt jedoch Ausnahmefälle. Etwa wenn Sie im Jahr vor dem Tod des Ex-Ehepartners oder der -partner:in Unterhalt erhalten haben. Oder wenn Sie ein gemeinsames Kind erziehen. Dann kann die Witwenrente als Erziehungsrente wie ein Unterhaltsersatz funktionieren, wenn die Voraussetzungen wie Wartezeit und Familienstand stimmen.

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