Ist Sterbegeldversicherung Schonvermögen? Ist mein Geld auch sicher vor dem Sozialamt?

  • Welches Geld bleibt „verschont“ bei Sozialleistungen?
  • Wie kann ich meine Vorsorge sichern?
  • Welche Vorteile bietet dabei eine Sterbegeldversicherung?
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Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Gleich einsteigen ins Thema Sterbegeldversicherung und Schonvermögen – Inhaltsverzeichnis

Bestattungsvorsorge und Sozialleistungen: geht beides zusammen?

Bestattungen sind in Deutschland sehr teuer. Laut einer Studie von Stiftung Warentest bewegen sich die Kosten für diese Leistung bundesweit im Durchschnitt zwischen 6.000 Euro und 8.000 Euro. Dabei liegt diese Untersuchung schon einige Jahre zurück (2016). Sie können davon ausgehen, dass die Preise für Bestattungsleistungen und Friedhof gestiegen sind und sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen werden.

Bezahlt werden müssen die aufkommenden Rechnungen von den Hinterbliebenen. Mit einer Sterbegeldversicherung können Sie für diesen Fall vorsorgen und Ihre Lieben vor diesen finanziellen Belastungen bewahren. Dazu gehen Sie einen Vertrag mit einer Versicherung ein: Gegen einen monatlichen Beitrag zahlt die Versicherung nach Ihrem Tod eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus.

Über die Jahre hinweg sparen Sie in diesem Sterbegeld-Vertrag ein kleines Vermögen an, das für Ihre Beerdigung gedacht ist. Große Unsicherheit herrscht bei vielen Interessierten, ob diese Ersparnisse geschützt sind, etwa vor Sozialamt oder Jobcenter. Fragen kommen auf wie:

  • Was, wenn ich im Alter auf die Grundsicherung angewiesen bin?
  • Muss ich das zurückgelegte Geld aus der Sterbegeldversicherung dann aufbrauchen? Hat das Sozialamt die Möglichkeit, auf das Geld zuzugreifen?

Der Hintergrund: Wer in Deutschland soziale Leistungen wie die Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II (auch als Hartz IV bekannt) bezieht, muss gegenüber den Behörden die Vermögenswerte offenlegen, wie Geld und materieller Besitz (Möbel, Schmuck, Fahrzeuge, Immobilien). Eine bestimmte Vermögenshöhe darf nicht überschritten werden, wenn der Staat einspringen und die gewünschten sozialen Leistungen zahlen soll. Diese festgelegte maximale Vermögenshöhe ist das sogenannte Schonvermögen.

Was ist Schonvermögen?

Der Begriff kommt aus dem Sozialrecht. Er beschreibt Vermögenswerte und Geldbeträge, die unangetastet bleiben und „geschont“ werden, wenn es um die Bedarfsermittlung der Sozialleistungen geht. Dieses Vermögen dürfen bedürftige Menschen behalten. Sie müssen es nicht für ihre Lebenshaltung verbrauchen, um Hartz IV (ALG II) oder Grundsicherung zu erhalten.

Gesetzlich geregelt werden die Bestimmungen dazu im Sozialgesetzbuch (SGB). Darin ist auch der Freibetrag festgelegt, der allgemein für Schonvermögen gilt. Laut Paragraf 90 SGB XII liegt die Höchstgrenze derzeit bei

Euro

Zum letzten Mal wurde dieser Höchstbetrag des Schonvermögens am 1. April 2017 angehoben. Vorher lag die maximale Höhe bei 2.600 Euro.

Zum Schonvermögen gehören Geldbeträge ebenso wie Immobilien, also Häuser und Eigentumswohnungen, oder Fahrzeuge.

Ist die Sterbegeldversicherung auch Schonvermögen?

Die Frage, ob die Bestattungsvorsorge mit zu diesen geschonten Vermögenswerten zählt, beantwortet das Gesetz leider nicht so genau. Daher sind Gerichtsurteile maßgeblich, um darauf eine Antwort zu finden.

Richtungsweisend ist beispielsweise das Urteil des Bundessozialgerichts vom März 2008 (B 8/9b SO 9/06), wonach das Vermögen aus einem Bestattungsvorsorgevertrag zum Schonvermögen im Sinne der Härtefallregelung anzusehen ist.

Zwei Dinge sind wichtig, damit Ihr angespartes Geld aus der Sterbegeldversicherung zum Schonvermögen gerechnet wird:

  • Es muss eine Zweckbindung Für die Behörden muss klar sein, dass die Geldsumme für die Bezahlung der Bestattungskosten gedacht ist und für keine andere Anschaffung.
  • Die Summe muss angemessen hoch sein. Welcher Betrag als angemessen gilt, entscheidet meist der Einzelfall. Ausschlaggebend sind dabei die Preise für die Bestattungsart, eine durchschnittliche Bestattung ohne Luxus und die örtlichen Friedhofskosten.

Urteil zur angemessenen Höhe der Sterbegeldversicherung

Eine solche einzelne Entscheidung traf beispielsweise das Verwaltungsgericht Münster (Az. 6 K 4230/17). In einem rechtskräftigen Urteil entschied es im Dezember 2018, dass ein Bestattungsvorsorgevertrag in Höhe von 10.500 Euro für eine Erdbestattung durchaus angemessen ist. Die Versicherte konnte ihren Vertrag behalten. Das Sozialamt musste das beantragte Pflegewohngeld bezahlen.

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Wie können Sie Ihre Bestattungsvorsorge vor Zugriff absichern?

Mit einer Sterbegeldversicherung können Sie Ihr Geld, das Sie als Bestattungsvorsorge sparen, vor dem Zugriff durch das Sozialamt schützen. Durch den Versicherungsvertrag wird deutlich, für welchen Zweck die Summe bestimmt ist.

  • Tipp: Um ganz sicherzugehen, können Sie ergänzend zu der Versicherung einen Vorsorgevertrag aufsetzen, aus dem klar hervorgeht, dass das Geld für die Bestattungskosten gedacht ist. Besprechen Sie dies auch mit einer Vertrauensperson, die Sie als bezugsberechtigt in dem Versicherungsvertrag angeben. Unsere erfahrenen Versicherungsberater:innen helfen Ihnen dabei gern weiter.

Als bezugsberechtigte Person können die Kinder oder andere Familienangehörige eingetragen werden oder auch ein:e Bestatter:in, mit dem oder mit der Sie Ihre Wünsche rund um Ihre Beerdigung besprochen haben.

Dies unterstreicht zum einen die Zweckbindung der Sparsumme. Zum anderen wird die zukünftige Versicherungsleistung laut Vertrag an diese bezugsberechtigte Person ausgezahlt. Damit wird das Vermögen ihr zugerechnet und nicht Ihnen. Sollten Sie also Grundsicherung oder ALG II beantragen müssen, dürfen die Behörden das Geld aus Ihrer Sterbegeldversicherung nicht antasten.

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