Scheidung & Kosten Liegt die Ehe in Scherben, wird‘s teuer

  • Ehe kann nur vor Gericht geschieden werden
  • Kosten der Scheidung hängen vom Verfahrenswert ab
  • Mindestkosten von über 1.000 Euro
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Anja Schlicht - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Gleich ins Thema Scheidung & Kosten einsteigen – Inhaltsverzeichnis

2020 hat es 373.300 Eheschließungen gegeben, demgegenüber stehen rund 142.000 Ehescheidungen. Blicken wir auf die letzten Jahre zurück, so nimmt die Anzahl der Scheidungen stetig ab. Ob dies an den Kosten liegt, die auf Sie zukommen, wenn es zwischen Ihnen und Ihrem oder Ihrer Partner:in einfach nicht mehr passt, bleibt offen.

Gewiss ist aber, dass ein Scheidungsverfahren stets mit Kosten verbunden ist. Um jedoch zu vermeiden, dass sich eine:r der Ehepartner:innen als Schuldige:r fühlt, wird auf Begriffe wie Kläger:in und Beklagte:r verzichtet. Stattdessen wird von Antragsteller:in und Antragsgegner:in gesprochen. Auch das Wort Prozess wird vermieden, die Rede ist von einem Verfahren.

Was kostet eine Scheidung?

Wie bei vielen Gerichtsverfahren spielt der Streitwert eine große Rolle, wenn es um die Berechnung der Kosten geht. Wobei der Begriff Streitwert eher selten verwendet wird. Geläufiger ist das Wort Verfahrenswert, auch Gegenstandswert ist möglich. Auf Grundlage dieses Wertes werden die Gerichts- und Anwaltskosten bestimmt.

Wie hoch der Verfahrenswert ist, orientiert sich an vier Faktoren:

Nettoeinkommen der Ehepartner:innen

Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder

Vermögen sowie gemeinsame Besitztümer der Ehegatten

Versorgungsausgleich

Werfen wir einen genauen Blick auf die Berechnungskriterien:

Die Berechnung des Verfahrenswerts liegt dem Paragraphen 43 des Gesetzes über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) zugrunde. Demnach wird das Nettoeinkommen der Ehegatten abzüglich der Pauschbeträge für die Kinder mit drei multipliziert. Anschließend werden die Vermögens- und Ausgleichswerte hinzugerechnet.

Der Gegenstandswert wird final vom Gericht bestimmt, dazu müssen die Ehegatten entsprechende Unterlagen einreichen. Allerdings lassen sich die Kosten für die Scheidung im Vorfeld gut abschätzen, da sowohl die Gerichtsgebühren als auch die Anwaltskosten auf fixen Gebührentabellen basieren. Ebenfalls hilfreich sind Scheidungskostenrechner im Internet.

Einvernehmliche Scheidung – sind die Kosten & Ablauf auch ohne Anwalt oder Anwältin zu regeln?

Ist zwischen den Ehegatten alles geklärt und sie wollen mit dem Scheidungsantrag nur den formalen Schlussstrich ziehen, brauchen sie dafür trotzdem einen Anwalt oder eine Anwältin. Denn vor Familiengerichten herrscht die Anwaltspflicht. Das regelt § 114 Abs. 1 FamFG: „Vor dem Familiengericht und dem Oberlandesgericht müssen sich die Ehegatten in Ehesachen und Folgesachen und die Beteiligten in selbstständigen Familienstreitsachen durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen.“ Folgesachen sind dabei zum Beispiel Unterhaltssachen und Haushaltssachen.

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Mindestkosten und Rechenbeispiele zu den Scheidungskosten

Womit Sie in jedem Fall rechnen müssen, sind Scheidungskosten in Höhe von 1.130 Euro. Günstiger wird die Angelegenheit kaum, da die Gerichte von einem Mindeststreitwert von 3.000 Euro sowie einem Versorgungsausgleich von 1.000 Euro ausgehen. Rund drei Viertel davon gehen für den Anwalt oder die Anwältin drauf, ein Viertel machen die Gerichtskosten aus.

Wichtig: Die genannten Kosten beziehen sich auf eine einvernehmliche Scheidung, bei der Sie sich mit Ihrem Expartner oder Ihrer Expartnerin einen Anwalt oder eine Anwältin teilen. Wollen Sie beide einen Scheidungsanwalt oder eine Scheidungsanwältin, verdoppeln sich die Anwaltskosten.

Nun aber mal Klartext: Das folgende Beispiel zeigt konkret, wie sich der Verfahrenswert zusammensetzt. Wir gehen davon aus, dass sich die Eheleute, die ein gemeinsames Kind haben, vor dem Antrag bei Gericht zum Versorgungsausgleich geeinigt haben und kein Vermögen besitzen beziehungsweise dieses geringer als die Freibeträge ist.

Nettoeinkommen Ehepartner:in 12.500 Euro
Nettoeinkommen Ehepartner:in 23.500 Euro
Gemeinsames monatliches Einkommen6.000 Euro
Abzug Pauschalbetrag Kind von 250 Euro5.750 Euro
Multipliziert mit 3Verfahrenswert im Scheidungs­verfahren 17.250 Euro

Ist der Gegenstandswert einmal ermittelt, hilft ein Blick in zwei Gebührentabellen weiter, um die Scheidungskosten abzuschätzen. Die Kosten für Ihren Anwalt oder Ihre Anwältin richten sich dabei nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG § 13), die Gerichtskosten nach dem Gerichtskostengesetz (GKG § 34).

Bei den Kosten für das Gericht wird laut FamGKG der zweifache Gebührensatz angesetzt. Bei den Anwaltskosten gibt’s unterschiedliche Posten und Gebührensätze, die die Gesamtkosten ausmachen:

  • Verfahrensgebühr (für die Vertretung der Mandant:innen vor Gericht, Vorbereitung des Scheidungsverfahrens und Einreichung der Scheidung): 1,3-facher Satz
  • Terminsgebühr (für die Wahrnehmung von Terminen): 1,2-facher Satz
  • Auslagenpauschale (für Post- und Telefonkosten): 20 Prozent der Rechtsanwaltsgebühren, jedoch nicht mehr als 20 Euro
  • Mehrwertsteuer: 19 Prozent

Beachten Sie: Nur für die gerichtliche Vertretung gibt’s die fest vorgeschriebenen Gebühren. Lassen Sie sich außergerichtlich vertreten, können die Kosten stark abweichen.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Gerichts- und Anwaltskosten für verschiedene Verfahrenswerte aufgeführt – bereits mit dem richtigen Gebührensatz. Für unser oben genanntes Beispiel mit dem Streitwert von 17.250 Euro ergeben sich also Scheidungskosten in Höhe von rund 3.020 Euro.

Kosten für Gericht und Rechtsanwalt je nach Verfahrenswert im Überblick (Stand 2022)

Verfahrens­wert bis …Gerichts­kostenAnwalts­gebühren
4.000 €280 €850,85 €
5.000 €322 €1.017,45 €
6.000 €364 €1.184,05 €
7.000 €406 €1.350,65 €
10.000 €532 €1.850,45 €
13.000 €590 €2.005, 15 €
16.000 €648 €2.159,85 €
19.000 €706 €2.314,55 €
35.000 €974 €3.105,90 €
40.000 €1.050 €3.346,88 €
45.000 €1.126 €3.587,85 €
50.000 €1.202 €3.828,83 €
500.000 €7.802 €10.552,33 €

Die Abstände beim Verfahrenswert, etwa zwischen 10.000 Euro und 13.000 Euro, sind gesetzlich festgelegt.

Erfolgt Ihre Scheidung einvernehmlich, reduzieren Familiengerichte die Scheidungskosten häufig um 25 bis 30 Prozent. Teurer wird es natürlich in dem Fall, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten und Streit zwischen den Ehegatten kommt, etwa zum Zugewinnausgleich. Dann hat das Gericht nicht nur mehr zu regeln. Jede:r von Ihnen möchte in diesem Fall wahrscheinlich einen eigenen Rechtsanwalt oder eine eigene Rechtsanwältin haben, der oder die wiederum auch stärker mit dem Verfahren beschäftigt sein wird.

Besser rechtsschutzversichert

So sinnvoll eine Rechtsschutzversicherung in vielen Lebenslagen ist – bei einer Scheidung stoßen die Leistungen vieler Anbieter an ihre Grenzen. Oftmals werden nur die Kosten für die Erstberatung übernommen. Es gibt aber einige wenige Versicherer, die einen umfangreicheren Ehe-Rechtsschutz bieten. Auf diese sollten Sie beim Tarifvergleich achten. Berücksichtigen Sie jedoch, dass die Tarife häufig eine Wartezeit von drei Jahren vorsehen.

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Kommen die künftig Geschiedenen um die Scheidungskosten herum?

Bei Ihrer Scheidung müssen Sie nicht nur die Gebühren für den Rechtsanwalt oder die Rechtsanwältin fix einplanen. Auch die Verfahrenskosten für das Gericht sind unumgänglich. Denn Ihre Ehe kann nur von einem Richter oder eine Richterin geschieden werden. Die gesamten Kosten für das Scheidungsverfahren tragen die Geschiedenen jeweils zur Hälfte.

Wichtig ist dabei allerdings: Die Person, die die Scheidung vor Gericht beantragt, muss in Vorleistung gehen. Diese Zahlung wird mit den späteren Gesamtkosten verrechnet. Bedenken Sie dabei, dass das Gericht erst dann die Arbeit im Zuge des Scheidungsantrags aufnimmt, wenn es den Vorschuss erhalten hat.

Können Sie die Scheidungskosten von der Steuer absetzen?

Angesichts mehrerer tausend Euro, die für das Verfahren zu Buche schlagen, ist der Wunsch nur allzu verständlich, die Ausgaben über die Steuererklärung abzusetzen. Früher war dies auch noch möglich, und zwar als außergewöhnliche Belastung. 2013 wurde die Absetzbarkeit allerdings mit Paragraph 33 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes ausgeschlossen. Der Bundesgerichtshof hat diese Praxis 2017 zudem bestätigt (Az. VI R 9/16).

Etwas anderes gilt dagegen, wenn Sie Unterhalt, also Trennungsunterhalt beziehungsweise Ehegattenunterhalt zahlen. Diesen können Sie entweder als Sonderausgabe (sogenanntes Realsplitting) oder außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzen.

Verfahrenskostenhilfe: Wenn Sie sich eine Scheidung nicht leisten können

Ist absehbar, dass die Scheidungskosten für Sie nicht zahlbar sind, können Sie Verfahrenskostenhilfe beantragen. Vielleicht kennen Sie sie auch unter dem Begriff Prozesskostenhilfe.

Ob Sie Anspruch auf die Kostenhilfe haben, ist abhängig von Ihrem Einkommen. Dieses entscheidet auch, ob Sie die Hilfe als Zuschuss oder als Ratenkredit erhalten. Achtung: Der Zuschuss kann bis zu vier Jahre nach Ihrer Scheidung zurückverlangt werden. Das Serviceportal Baden-Württemberg gibt beispielsweise als Grenzwert ein monatliches Einkommen von 15 Euro an, das nach Abzug von Ausgaben für Steuern, Vorsorgeaufwendungen, Werbungskosten, Wohn- und Heizkosten sowie Freibeträge übrig bleibt.

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