Rentenbesteuerung

Wann müssen Rentner:innen Steuern zahlen und wie viel?

  • Das Prinzip der nachgelagerten Versteuerung
  • Ein Teil der Rente bleibt steuerfrei
  • Mit Steuerspar-Tipps für Rentner:innen
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Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Das Wichtigste zur Rentenbesteuerung auf einem Blick

Aktuell zahlt etwa ein Drittel der rund 21 Millionen Rentner:innen in Deutschland eine Einkommensteuer. Im Laufe der Jahre werden es noch mehr werden, die ihre Renten versteuern müssen.

Der Rentenanteil, der zu versteuern ist, steigt ebenfalls jedes Jahr an. Aktuell liegt der Anteil bei 81 Prozent (Stand 2021). Ab 2040 muss die Rente zu 100 Prozent besteuert werden.

Dank verschiedener Freibeträge und absetzbarer Kosten in der Steuererklärung können Rentner:innen ihre Steuern senken und Geld sparen.

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Renten als steuerpflichtiges Einkommen: Wie sehen die Regelungen dazu aus?

Sehr viele Menschen glauben, dass sich mit dem Austritt aus dem Berufsleben auch die Themen Steuern und Finanzamt erledigt haben. Das ist leider ein Irrtum. Denn die Renten gehören zu den steuerpflichtigen Einkommen.

In der Vergangenheit wurde die Rentenversteuerung jedoch anders geregelt. So war es bis 2004 üblich, dass die Beiträge zur Rentenversicherung zu 100 Prozent versteuert wurden. Die ausgezahlte Rente war dafür steuerfrei.

Erst durch das Alterseinkünftegesetz wurde ab 2005 die Änderung ins Rollen gebracht, die zu der sogenannten nachgelagerten Besteuerung der Renten führt (mehr dazu im Text unten).

Grund für Neuregelung war die Klage eines Beamten, der es unfair fand, dass Renten und Pensionen unterschiedlich besteuert werden. Die Änderung der Rentenbesteuerung soll diese Ungleichbehandlung aufheben. Der Umstellungsprozess, der 2005 begann, wird übrigens erst 2040 abgeschlossen sein.

Das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung

  • Dieses Prinzip funktioniert vereinfacht gesagt so: Berufstätige können die Beiträge, die sie für ihre Altersvorsorge ansparen, als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Wenn sie im Ruhestand die Rente beziehen, müssen sie auf dieses Einkommen Steuern zahlen.

Die Steuern zahlen Sie also nicht in der Ansparphase, sondern erst später, wenn Sie die Rente erhalten. Das verunsichert viele, denn der Gedanke, dass von einer niedrigen Rente auch noch Steuern abgehen, gefällt natürlich nicht.

Die gute Nachricht ist: Weil die Steuern, die Sie als Rentner:in zahlen, aufgrund verschiedener Freibeträge deutlich niedriger sind als während des Berufslebens, zahlen Sie insgesamt gesehen weniger Geld an den Staat.

Übergangsregelungen: Stufenweise Erhöhung des steuerpflichtigen Anteils

Das Alterseinkünftegesetz regelt den langsamen Übergang in das neue System zur Rentenbesteuerung.

Der Anteil der Beiträge zur Altersvorsorge, den Arbeitnehmer:innen von der Steuer absetzen können, steigt jedes Jahr stufenweise an. Ab 2025 werden die festgelegten Höchstbeiträge zu 100 Prozent steuerlich absetzbar sein.

Dem gegenüber steht die Besteuerung der ausgezahlten Rente. Der steuerpflichtige Anteil der Renten steigt ebenfalls seit 2005 von Jahr zu Jahr an. Wer 2005 in Rente ging, musste 50 Prozent der Rente versteuern, heute liegt der Anteil bei 81 Prozent (Stand 2021). Wegen dieser schrittweisen Erhöhung des steuerpflichtigen Anteils nimmt auch die Zahl der Rentner:innen zu, die Steuern zahlen.

Ab 2040 ist diese Phase abgeschlossen. Dann beträgt der zu besteuernde Anteil der Basisversorgung 100 Prozent.

Für welche Renten gilt diese Form der Rentenbesteuerung?

Die nachgelagerte Besteuerung betrifft Renten der Basisversorgung. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung gehören auch die folgenden Renten dazu:

Außerdem zählen auch Altersrenten aus landwirtschaftlichen Alterskassen und Renten aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen zu den Rentenarten, die einkommenssteuerpflichtig sind.

Regelungen für andere Renten

Einige Renten sind von dieser Regelung ausgenommen, weil Sie darin schon Einkommen eingezahlt haben, welches versteuert wurde. Das sind unter anderem Renten, die Sie aus einer privaten Rentenversicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung  und der Unfallversicherung  erhalten. Oder auch die Erwerbsminderungsrente.

Ein weiteres Beispiel für eine andere Form der Rentenversteuerung ist die Leibrente. Diese erhalten Sie, wenn Sie im Rentenalter eine Immobilie verkaufen und mit dem Käufer oder der Käuferin folgende Vereinbarung treffen: Statt des vollen Kaufpreises bekommen Sie ein lebenslanges Wohnrecht sowie eine monatliche Rente, die besagte Leibrente.

Bei dieser Rentenform gilt die Steuerpflicht nur für einen Ertragsanteil. Wie hoch dieser ist, richtet sich nach Ihrem Alter zu Rentenbeginn. Er gilt lebenslang. Üblicherweise liegt die Höhe zwischen einem und 18 Prozent, und ist damit wesentlich niedriger als der steuerpflichtige Anteil für die gesetzliche Rente.

Welche Bezüge bleiben steuerfrei?

Bei folgenden Renten zahlen Sie keinerlei Steuern

  • Schwerbeschädigtenrenten
  • Renten aus der Pflegeversicherung
  • Wiedergutmachungsrenten
  • Grundsicherung im Alter
  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung

Wann müssen Sie als Rentner:in eine Steuererklärung einreichen?

Noch mal auf den Punkt gebracht: Die Renten zur Basisversorgung sind steuerpflichtiges Einkommen. Das bedeutet nicht, dass alle Rentenbeziehenden zwangsläufig Steuern zahlen müssen.

Der Grundfreibetrag – Bis hierhin keine Steuern

Angenommen, Sie gehen demnächst in Rente, dann sind Sie nur verpflichtet, Steuern zu zahlen, wenn Ihre gesamten Einnahmen einen festgelegten Grundfreibetrag überschreiten.

Von Jahr zu Jahr legen Finanzexpert:innen neu fest, bis zu welcher Jahresbruttorente keine Steuern bezahlt werden müssen. Für Rentnerehepaare verdoppelt sich der Betrag noch einmal.

2021 gelten folgende Beträge:

Euro
Für Ledige
Euro
Für Ehepaare

Mit Jahresbruttorente ist der Betrag vor dem Abzug Ihres Eigenanteils für Kranken- und Pflegeversicherung gemeint.

Ab welcher Höhe muss die gesetzliche Rente versteuert werden?

Gehen Sie 2021 in den Ruhestand und liegt Ihre Jahresbruttorente bei 9.700 Euro, müssen Sie keine Steuern zahlen. Vorausgesetzt Sie haben keine anderen Einkünfte, zum Beispiel aus einer Vermietung oder aus einer Betriebsrente. Übersteigt Ihr gesamtes Einkommen als Rentner diesen Grundfreibetrag, erwartet das Finanzamt Ihre Steuererklärung.

Weil Rentenversicherungsträger und andere Einrichtungen dem Amt melden, welche Renten Sie erhalten haben, weiß der Fiskus genau, dass Sie zahlen müssen.

Doch auch das muss Sie noch nicht verunsichern. Denn bis jetzt ist nur ein Teil der Rente zu versteuern.

Wie viel Prozent meiner Rente muss ich versteuern?

Wie hoch der Anteil der Rente ist, den Sie versteuern müssen, hängt von dem Jahr ab, in dem Sie in Rente gehen. Wie oben bereits erwähnt, ist eine stufenweise Erhöhung dieses Anteils geplant. In der Übersicht unten finden Sie die Prozentangaben, die zeigen, wie sich Besteuerungsanteil und der steuerfreie Anteil ab 2021 bis 2040 anpassen. Ab 2025 haben wir, der Übersichtlichkeit wegen, die Angaben in Fünf-Jahres-Schritten zusammengefasst. Für diese Zeiträume gilt auch: In jedem Jahr steigt der steuerpflichtige Anteil um einen Prozentpunkt an und der steuerfreie Teil sinkt in gleichem Maß.

JahrSteuerpflichtiger Anteil in ProzentSteuerfreier Anteil in Prozent
20208020
20218119
20228218
20238317
20248416
2025 …8515
2030 …9010
2035 …955
2039991
20401000

Wie wird der genaue Freibetrag berechnet?

Wie hoch der steuerfreie Anteil der Rente ist, errechnet das Finanzamt für jede Person individuell in dem ersten vollen Rentenjahr. Dieser Freibetrag bleibt bis zum Lebensende unverändert. Gehen Sie im November 2021 in Rente, erfahren Sie Ihren Freibetrag am Ende des Jahres 2022 im Steuerbescheid.

Bei einer Rentenerhöhung bleibt der steuerfreie Anteil also gleich, Ihr steuerpflichtiger Teil ändert sich jedoch.

Rente und Steuer: Infos zur Doppelbesteuerung der Renten

Die Umstellung zur nachgelagerten Besteuerung der Renten geht nicht ganz ohne Unstimmigkeiten vor sich. Könnten einige Senior:innen eventuell doppelt zur Steuerkasse gebeten werden?

Wann kommt es zu einer Doppelbesteuerung?

Im Zusammenhang mit der Rente meint Doppelbesteuerung, dass Sie auf einen Teil Ihrer Rente zweimal Steuern zahlen. So könnte dies passieren:

  1. Sie können einen Teil Ihrer Beiträge zur Altersvorsorge nicht als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Das heißt, Sie zahlen die Altersvorsorge aus Ihren Nettoeinkommen, welches schon versteuert ist.
  2. Müssen Sie später auf die ausgezahlte Rente erneut Steuern zahlen, wurde ein Teil der Rente doppelt besteuert. Das merken Sie vor allem dann, wenn der steuerfreie Anteil Ihrer Rente kleiner ist als die Summe Ihrer eingezahlten Beiträge.

Sie hätten dann einmal bei der Einzahlung in die Rentenversicherung Steuern gezahlt und ein weiteres Mal bei der Auszahlung der Rente. Eine zweifache Besteuerung ist jedoch verfassungswidrig.

Aus diesem Grund haben 2021 zwei Rentner gegen ihre Finanzämter geklagt. Ihre Klagen wurden zwar abgewiesen, dennoch ergab sich daraus für die Rentenbesteuerung eine wichtige Neuerung, die zukünftige Rentner:innen betrifft.

Urteil des BFH fordert Änderung zur Berechnung des Steuerfreibetrages

Nach Beurteilung des Bundesfinanzhofs (BFH), dem wichtigsten Finanzgericht in Deutschland, muss die Berechnungsweise der Rentensteuer angepasst werden (BFH, Urteile vom 19. Mai 2021, Az. X R 33/19 und X R 20/19 ).

Grundfreibetrag sowie Werbungskostenpauschale, Sonderausgabenpauschale und die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung dürfen nicht mit zum steuerfreien Rententeil gerechnet werden.

Nur der individuelle, jährliche Rentenfreibetrag sowie der Freibetrag aus einer Hinterbliebenenrente (Witwer- oder Witwenrente) gehören dazu.

Wen betrifft die Doppelbesteuerung?

Das Thema Doppelbesteuerung ist für Sie wichtig, wenn Sie in den nächsten Jahren in Rente gehen. Aber auch für alle, die ab 2040 oder später aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Denn diese Rentnerjahrgänge müssen ihre Rente voll versteuern, zahlen aber vielleicht jetzt schon Steuern auf die Beiträge zur Rentenversicherung.

Laut dem BFH sind folgende Personengruppen unter den Senior:innen am ehesten von einer Doppelbesteuerung betroffen. Sie sollten bei ihrer Rentensteuerberechnung aufmerksam sein:

1
2
3
4

Tipp: Sollten mehrere dieser Kriterien auf Sie zutreffen, ist unser Tipp: Lassen Sie die Berechnung Ihrer Rentensteuer zur Sicherheit einmal prüfen. Und bewahren Sie besser alle Belege wie Steuerbescheide, Rentenbescheide und Versicherungsnachweise auf.

Ausblick: Was passiert nun nach dem Urteil des BFH?

Die Gesetzesänderung durch die Bundesregierung steht noch aus. Dieser Vorgang wurde wegen der Bundestagswahl im September 2021 in den Herbst 2021 verschoben.

Rentenbesteuerung: So können Sie Steuern sparen

Wie alle anderen Steuerzahler:innen können auch Rentner:innen verschiedene Beträge von der Steuer absetzen und so Ihre Steuerlast verringern. Folgende Möglichkeiten gehören dazu

Werbungskosten

Pauschalbetrag von 102 Euro pro Jahr

Sonderausgaben

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Beiträge zur privaten Krankenversicherung, Kirchensteuer, gezahlte Spenden

Außergewöhnliche Belastungen

Ausgaben für Pflege- und Heimunterbringung, das Finanzamt zieht hier jedoch einen individuellen Eigenanteil ab

Kosten für Medikamente

auch medizinische Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte

Haushaltsnahe Dienstleistungen

dazu gehören auch Pflegedienste, die die Wohnung aufräumen, essen bringen oder sich um den Garten kümmern

Was ist der Altersentlastungsbetrag?

Steuerzahler:innen, die älter als 64 Jahre sind, erhalten eine Steuerermäßigung: den sogenannten Altersentlastungsbetrag. Dieser bezieht sich zwar nicht auf die Rente, aber auf Nebeneinkünfte wie Lohn oder die Riester-Rente. Wie hoch dieser Steuerfreibetrag ist, hängt von dem Jahr ab, in dem Sie das 64. Lebensjahr vollenden.

2021 liegt er bei 15,2 Prozent und maximal 722 Euro. Das heißt für Sie, wenn Sie über 64 Jahre sind: Sie können 15,2 Prozent Ihrer Einkünfte (zum Beispiel aus Lohn, Kapitalanlagen oder Vermietungen) von der Steuer absetzen, höchstens jedoch 722 Euro.

  • Hinweis: Aber auch dieser Betrag wird im Zuge des Alterseinkünftegesetzes immer geringer und liegt bis 2040 bei 0 Prozent.

Beantragen müssen Sie diesen Freibetrag nicht. Das Finanzamt rechnet ihn automatisch mit hinein, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Finanzielle Vorsorge für den Ruhestand

Damit Sie im Ruhestand finanziell sorgenfrei leben können, sollten Sie sich rechtzeitig im Leben mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen. Dann sind auch die Steuern kein Thema, das Sie beunruhigt, denn Sie wissen: Sie haben so für sich vorgesorgt, dass Sie sich Ihren jetzigen Lebensstandard auch im Rentenalter erhalten können. Für Hobbys und Freizeit werden Sie genug Geld haben.

Wenn Sie Ihre private Altersvorsorge noch planen oder optimieren wollen, helfen wir Ihnen gern mit Tipps und Serviceleistungen weiter – selbstverständlich unverbindlich und kostenlos und immer persönlich im direkten Austausch mit Ihnen. Sprechen Sie einfach mit unseren Versicherungsprofis von Comfortplan und lassen Sie sich ein persönliches Angebot zusammenstellen.

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