Rente von Frauen Warum gerade sie von Altersarmut bedroht sind

  • Frauen haben eine deutlich größere Rentenlücke als Männer
  • Schuld sind vor allem Teilzeit und schlecht bezahlte Jobs
  • Ohne Vorsorge rückt ein sorgenfreies Rentnerinnen-Leben in die Ferne
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Anja Schlicht - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

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Warum ist die zusätzliche Rente für Frauen so wichtig?

Verlassen Sie sich bei der Altersvorsorge auf Ihren Mann beziehungsweise Ihr:e Ehepartner:in? Das ist keine gute Idee. Zum einen sollten Frauen das Thema selbstbestimmt angehen. Zum anderen ist es sicherlich nicht das beste Fundament, wenn Ihre Altersvorsorge allein auf dem Vertrauen aufbaut, dass Ihre Partnerschaft für immer hält.

Kommt es zur Scheidung, gibt’s in der Regel zwar einen sogenannten Versorgungsausgleich, bei dem die erworbenen Rentenansprüche aufgeteilt werden. Doch dieser Ausgleich schützt ohne zusätzliche private Altersvorsorge kaum vor Altersarmut.

Doch ganz unabhängig davon, ob Frauen in einer Beziehung sind oder nicht, gibt es einen wichtigen Grund, warum vor allem sie fürs Alter vorsorgen müssen: Ihr Einkommen ist schlichtweg zu niedrig. Das hat verschiedene Ursachen:

  • Frauen arbeiten eher in schlecht bezahlten Branchen, etwa als Erzieherin, Pflegerin oder Krankenschwester.
  • Sie finden sich seltener in Führungspositionen mit hohen Gehältern wieder.
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, etwa weil sie für ihre Kinder da sind, Angehörige pflegen oder andere persönliche und familiäre Verpflichtungen haben. Laut des Statistischen Bundesamts arbeitet fast jede zweite Frau nicht in Vollzeit. Bei den Männern ist es nur jeder Zehnte.

Diese Punkte führen dazu, dass Frauen 2020 18 Prozent weniger als Männer verdienten – Stichwort Gender Pay Gap. In Stundenlohn ausgedrückt bedeutet dies:

Bruttoverdienst Frauen:
Euro
Bruttoverdienst Männer:
Euro

Arbeiten in einer Teilzeitstelle, Kindererziehung, schlecht bezahlte Jobs – Angesichts dieser Umstände ist es nicht verwunderlich, dass es vor allem Rentnerinnen sind, die im Alter auf die Grundsicherung angewiesen sind. Auf die Sozialleistung haben Sie im Rentenalter Anspruch, wenn Ihre Rente und Ersparnisse nicht ausreichen, das Existenzminimum zu decken. Dieses schwankt je nach Region. Als Faustregel gibt die Deutsche Rentenversicherung vor, ab einem monatlichen Gesamteinkommen von 865 Euro zu prüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und Anspruch auf die Grundsicherung besteht.

Ein Blick in die Zahlen der Rentenversicherung zeigt zudem, wie sich der geringere Verdienst über die Jahrzehnte hinweg auf die Rentenhöhe auswirkt. Frauen, die 2020 in Regelaltersrente gegangen sind, erhielten durchschnittlich 848 Euro pro Monat (998 Euro neue Bundesländer). Bei Männern waren es 1.322 Euro (1.105 Euro neue Bundesländer).

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Welche gesetzlichen Sonderwege gibt’s bei der Rente für Frauen?

Egal ob Mann oder Frau: Generell bestimmt in Deutschland die Regelaltersgrenze, wann Sie regulär in Rente gehen können. Kamen Sie 1964 oder später zur Welt, beginnt Ihr Ruhestand mit 67 Jahren. Gehören Sie einem früheren Geburtsjahrgang an, können Sie das Seniorenleben etwas früher starten. Alle Informationen zum Renteneintrittsalter und zu den Altersgrenzen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Natürlich können Sie auch vor dem regulären Renteneintritt in Rente gehen – allerdings nur mit Abschlägen. Kommen Sie nicht auf 45 Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung, kostet Sie jeder Monat Frührente 0,3 Prozent Ihrer Rentenzahlung – ein Leben lang.

Übrigens: Neben Abschlägen sind auch Zuschläge möglich. Denn Sie können nach Erreichen der Regelaltersgrenze in Ihrem Job tätig bleiben. Der Staat belohnt dies mit 0,5 Prozent mehr Altersgeld pro weitergearbeiteten Monat nach eigentlichem Rentenbeginn.

Welche Zeiten zählen als Versicherungszeiten?

Die Leistungen der Rentenkasse hängen von Ihren Beitragsjahren und Wartezeiten ab. Dabei berücksichtigt die Rentenversicherung auch verschiedene Jahre als Versicherungszeit, in denen Sie keine oder nur wenig Beiträge eingezahlt haben. Zu diesen Versicherungsjahren gehören:

  • Kindererziehungszeit
  • Pflege von Angehörigen
  • Arbeitslosigkeit: Bezug von Arbeitslosengeld I
  • Freiwilliger Wehrdienst / Bundesfreiwilligendienst

Frauen, die bis 2012 in Rente gegangen sind, stand zudem die Rente mit 60 offen. Diese Frauenrente war unter den folgenden Voraussetzungen möglich gewesen:

 

Geburt vor dem 1. Januar 1952

Mindestens 15 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung

Nach dem 40. Lebensjahr für mindestens zehn Jahre Pflichtbeiträge geleistet

Wollen Sie heute mit 60 Lebensjahren in Frührente gehen, bekommen Sie erst dann Rentenleistungen, wenn Sie Ihr frühestmögliches Renteneintrittsalter erreicht haben und somit Ihren Rentenanspruch einlösen können. Bis dahin müssen Sie Ihr Rentnerinnenleben selbst finanzieren.

Welche Altersvorsorge eignet sich für Frauen besonders?

Damit Frauen im Alter nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen, obwohl sie ein Leben lang hart gearbeitet haben, ist private Vorsorge wichtig – ganz unabhängig davon, ob sie richtig gut verdient haben. Denn die gesetzliche Altersrente kann bestenfalls rund die Hälfte des bisherigen Einkommens ersetzen. Mit dieser Rentenprognose lässt sich der gewohnte Lebensstandard nicht halten.

Aber wie am besten für den Ruhestand vorsorgen? Auch wenn es schön einfach wäre, hier gibt’s nicht die eine Antwort. Sie hängt stark vom Spartyp und den Wünschen ab, die Sie im Alter haben.

Dennoch lässt sich für Frauen eine Altersvorsorge ausmachen, die für sie naheliegt: die Riester-Rente. Wegen der staatlichen Zulagen erhalten Versicherte nicht nur eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr geschenkt. Sobald Kinder im Haus sind, bekommen sie für jedes Kind weitere 300 Euro jährlich. So bauen Frauen mit einem vergleichsweise niedrigen Beitrag ein solides Rentenpolster auf.

Verschiedene Finanzexpertinnen sehen ebenfalls Potenzial in der Riester-Rente. Zu ihnen zählt Annette Weiß von der geld.wert finanzbildung GmbH. Im Interview für das Projekt „15 Jahre Riester-Rente“ sagt sie, dass die geförderte Altersvorsorge in jedem Fall einen sinnvollen und ergänzenden Beitrag zur gesetzlichen Rente leistet.

„Da es heute leider immer noch so ist, dass eher Frauen und Mütter diejenigen sind, die – sei es durch die Berufswahl oder durch Teilzeitarbeit – keine großen Berufseinkommen erzielen, werden sie in erster Linie durch die Riester-Rente angesprochen“, so Weiß weiter.

Finanzbloggerin Natascha Wegelin weist im Interview für das Projekt „15 Jahre Riester-Rente“ darauf hin, dass die Entscheidung für oder gegen die Riester-Rente immer individuell getroffen werden muss: „Ob eine Riester-Rente geeignet ist, hängt sicherlich von vielen verschiedenen und vor allem persönlichen Faktoren ab. Jede Frau sollte auf jeden Fall darauf achten, wie viele Zulagen sie erhält und wie hoch die tatsächliche Gesamtrendite ist. Wenn die Rendite höher ist als das, was sie mit einer entsprechenden Anlage risikolos erreichen kann – zum Beispiel mit einem Tagesgeldkonto – ist ein Riester-Vertrag für den Rentenanteil des Vermögensaufbaus durchaus sinnvoll.

Worauf frau ihre Entscheidung für oder gegen Riester jedenfalls nicht begründen sollte, ist in meinen Augen der steuerliche Vorteil. Der bringt erfahrungsgemäß zu wenig. Außerdem können sich steuerliche Regelungen ändern. Kürzlich haben wir das bei nachträglichen Regelungen zur Lebensversicherung und bei Bausparverträgen zu spüren bekommen.“

„Die Rentenreform in Deutschland liegt nun bereits 15 Jahre zurück und doch hat sich unter jungen Menschen keine echte Kultur zusätzlicher Vorsorge etabliert. Junge Generationen fühlen sich durch die lange Vorplanung überfordert, verstehen die Produkte nicht – aber wer tut das schon? – und finden sich und ihre Lebensrealität offensichtlich nicht in ihnen wieder. Forscher warnen schon vor der „Generation Altersarmut.“

Natascha Wegelin Finanzbloggerin

Achtung: Die Riester-Rente könnte bald keine Option mehr darstellen. Denn es gibt immer weniger Versicherer, die aufgrund des geringen Garantiezinses die geförderte Altersvorsorge überhaupt anbieten.

Als mögliche Alternativen bieten sich an:

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