Krankenversicherung Rentner

Pflicht, freiwillig oder privat: In welcher Krankenversicherung sind Rentner:innen am besten versichert?

  • Wer kann sich günstig krankenversichern?
  • Entscheidend ist die Vorversicherungszeit
  • Welche Krankenkassenbeiträge werden fällig?
Kurzinfos

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Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Krankenversicherung für Rentner:innen: Das Wichtigste kurz erklärt

Die sogenannte Krankenversicherung der Rentner (KVdR) ist keine eigene Krankenkasse. Der Begriff bedeutet eher den Versicherungsstatus, den langjährige Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse erhalten, wenn sie in den Ruhestand wechseln.

Die Kosten für die Krankenkasse sind auch bei Rentner:innen abhängig vom Einkommen. Neben der gesetzlichen Rente und Versorgungsbezügen werden bei der Beitragsberechnung auch Arbeitseinkünfte und – je nach Versicherungsstatus – on Mieteinnahmen oder Kapitalerträge berücksichtigt. In der PKV richtet sich der Preis weiterhin nach dem Tarif.

Haben Sie Anspruch auf eine gesetzliche Rente, dann erhalten Sie von der Rentenversicherung einen Zuschuss zu Ihrem Krankenkassenbeitrag, egal ob Sie pflichtversichert, freiwillig gesetzlich versichert oder privat krankenversichert sind.

In Deutschland ist die Krankenversicherung eine Pflicht, natürlich auch für Rentner:innen. Von Ihrer Rente zahlen Sie Beiträge an die Kranken- und Pflegeversicherung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was es mit der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) auf sich hat. Wer darf sich darin versichern? Wie hoch sind die Beiträge? Und welche anderen Möglichkeiten der Krankenversicherung gibt es für Senioren? Die wichtigsten Infos dazu haben wir für Sie zusammengestellt.

Krankenversichert als Rentner:in: Welche Möglichkeiten gibt es für Sie?

Wenn Sie in den Ruhestand gehen, sind Sie entweder in der gesetzlichen oder in der privaten Krankenversicherung angemeldet. So weit, so unspektakulär. Meist kommt es darauf an, in welchem der beiden Versicherungssysteme Sie vorher versichert waren. Denn ein Wechsel zwischen GKV und PKV ist im Alter nicht mehr so leicht möglich.

In der GKV lassen sich zwei Formen der Mitgliedschaft unterscheiden: die Pflichtversicherung und die freiwillige Versicherung.

Insgesamt haben Sie also folgende Möglichkeiten einer Krankenversicherung als Rentner:in:

Gesetzlich krankenversichert

Sie sind entweder pflichtversichert in der GKV (und damit in der Krankenversicherung der Rentner) oder Sie sind freiwillig versichert.

Privat krankenversichert

Sie sind in Ihrem gewählten Tarif in der PKV versichert.

Wer darf in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR)?

Bevor es um die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft geht, noch ein paar Worte zu dem Begriff „Krankenversicherung der Rentner“. Damit ist eine bestimmte Versicherungsform gemeint. Es handelt sich dabei nicht um eine eigene Krankenversicherung.

  • Die KVdR wird von allen gesetzlichen Krankenkassen, also den allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), den Betriebskrankenkassen (BKK), den Innungskassen (IKK) sowie den Ersatzkassen und der Knappschaft betrieben. Wenn Sie in der Krankenversicherung der Rentner sind, bleiben Sie weiterhin in Ihrer aktuellen Krankenkasse Mitglied. Mit Ausnahme des Krankengeldes bleiben die Leistungen die gleichen.

Auch bei der Beitragsberechnung bleibt’s beim Alten, außer dass statt Ihres Arbeitseinkommens nun Ihre gesetzliche Rente, Betriebsrente und Einkünfte aus selbstständiger Arbeit als Berechnungsgrundlage gelten. Außerdem zahlt die Rentenversicherung die Hälfte der Krankenversicherungskosten.

Folgende Voraussetzungen müssen die Mitglieder erfüllen, um in der KVdR versichert zu sein:

  • Sie müssen eine gesetzliche Rente beziehen, ganz gleich ob Altersrente, Erwerbsminderungsrente oder Hinterbliebenenrente.
  • In der zweiten Hälfte ihres Berufslebens müssen sie mindestens 90 Prozent der Zeit in der GKV versichert gewesen sein. Für diese sogenannte 9/10-Regelung ist es egal, ob sie pflichtversichert, freiwillig oder über die Familienversicherung Kassenpatient:in waren.

Die Zeit der Erwerbstätigkeit reicht dabei vom Beginn der Ausbildung bis zum Antrag der gesetzlichen Rente. Auch Erziehungszeiten werden hinzugerechnet. Für jedes Kind können sich Rentner:innen drei Jahre zur Vorversicherungszeit anrechnen lassen.

Wegen dieser langen Vorversicherungszeit sollten Sie sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, wie Sie sich im Ruhestand versichern wollen. Die KVdR hat den Vorteil, dass Sie einen medizinischen Grundschutz erhalten und vergleichsweise wenig dafür bezahlen. Wenn Sie in die Krankenversicherung der Rentner möchten, sollten Sie ab 40 Jahren in der GKV versichert sein.

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Jenny Gebel Online-Redakteurin

Wenn Sie die Anwartschaft für die KVdR nicht erfüllen, bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit, sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.

Der Nachteil ist, dass die Krankenversicherung für Sie teurer wird, denn Sie müssen den Versicherungsbeitrag von allen privaten Einkünften abführen. Das bedeutet, dass auch Mieteinnahmen und privaten Renten zum Einkommen hinzuzählen, von dem der Krankenkassenbeitrag abgeht. Was das bedeutet, schauen wir uns jetzt genauer an.

Wie viel kostet die Krankenversicherung für Rentner:innen?

Auch im Ruhestand gilt der Grundsatz: Die Höhe des Beitrags für die Krankenkasse ist abhängig vom Einkommen. Außerdem kommt es darauf an, welche Einkünfte beitragspflichtig sind. Wie gerade erläutert, wird hierbei zwischen der Pflichtversicherung in der KVdR und der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung für Rentner:innen unterschieden.

Was zum Einkommen zählt, zeigt die folgende Tabelle:

EinkommenPflicht­versicherungFreiwillige Versicherung
Gesetzliche Rente (Altersrente, Erwerbsminderungs­rente, Hinterbliebenen­rente, Renten aus dem Ausland)jaja
Versorgungs­bezüge (Betriebsrente, betriebliche Riester-Rente, Zusatz­zahlung aus Versorgungs­werk, Pensionskassen, Direkt­versicherung etc.)jaja
Erwerbs­einkommen / Selbst­ständige Arbeit (nebenberufl.)jaja
Private Renteneinja
Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtungneinja
Kapital­erträgeneinja

Seit 2020 neu ist die Regelung zum Freibetrag aus Ihrer Betriebsrente. Danach bleiben Sie die ersten

Euro
pro Tag (Stand 2021)

aus diesen Einkünften bei der Beitragsberechnung unberücksichtigt. Erst für die Summe, die oberhalb dieses Freibetrags liegt, müssen Sie Krankenkassenbeiträge abführen. Leider gilt diese Regelung nicht für die Pflegeversicherung. Diesen Beitrag müssen Sie für das komplette Einkommen zahlen.

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Zum Beitrag

Wie hoch sind die Beiträge für die Krankenversicherung?

Genau wie für alle anderen zahlenden Mitglieder gilt der allgemeine Beitragssatz für die Krankenversicherung auch für Rentner:innen. Das sind 14,6 Prozent des Einkommens zuzüglich des Zusatzbeitrages, den jede Krankenkasse individuell erhebt.

Als Mitglied der KVdR müssen Sie von Ihrer gesetzlichen Rente jedoch nur die Hälfte dieser Kosten tragen, also 7,3 Prozent plus die Hälfte des Zusatzbeitrages. Den anderen Teil übernimmt der Rentenversicherungsträger. Eine ähnliche Kostenteilung kennen Sie sicher aus dem Berufsleben, wenn Sie als Angestellte:r arbeiten.

Besondere Regelungen für freiwillig gesetzlich Versicherte

Die gute Nachricht für freiwillig versicherte Rentner:innen ist: Auch Sie können den Zuschuss von der Rentenversicherung für die gesetzliche Rente erhalten. Sie müssen dafür jedoch einen Antrag beim zuständigen Rentenversicherungsträger stellen. Bei Pflichtversicherten erfolgt diese Berechnung hingegen automatisch.

Für die Krankenkassenbeiträge, die von privaten Renten, Mieteinnahmen und Kapitalerträgen abgezogen werden, wird der ermäßigte Beitragssatz von 14 Prozent angesetzt.

Beitragssätze zur gesetzlichen Versicherung für Rentner:innen

EinkommenBeitragssatz bei Pflicht­versicherungBeitragssatz bei freiwilliger Versicherung
Gesetzliche Rente7,3 Prozent + die Hälfte des Zusatzbeitrages7,3 Prozent + die Hälfte des Zusatzbeitrages (nach Antrag)
Versorgungs­bezüge14,6 Prozent + Zusatzbeitrag14,6 Prozent + Zusatzbeitrag
Erwerbseinkommen (angestellt oder selbstständig / nebenberufl.)14,6 Prozent + Zusatzbeitrag14,6 Prozent + Zusatzbeitrag
Private Rente14 Prozent + Zusatzbeitrag
Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung14 Prozent + Zusatzbeitrag
Kapital­erträge14 Prozent + Zusatzbeitrag

 

Was ist mit der Pflegeversicherung?

Den Beitrag zur Pflegeversicherung müssen Sie als Rentner:in weiterhin bezahlen. Also gehen noch einmal 3,05 Prozent von Ihrer Brutto-Rente ab. Kinderlose bezahlen derzeit 3,3 Prozent (ab 2022 3,4 Prozent). Diese Beiträge tragen Sie komplett selbst, einen Zuschuss gibt es nicht.

  • Hinweis: Sind Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert, müssen Sie die Beiträge für Krankenversicherung und Pflegeversicherung selbst an Ihre Krankenkasse bezahlen. Ihre Rente erhalten Sie ohne Abzüge. Auch den Zuschuss zum Krankenversicherungsbeitrag zahlt die Rentenversicherung direkt an Sie aus. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Krankenkasse die monatlichen Beiträge erhält. Bei pflichtversicherten Rentner:innen werden die Kosten automatisch abgezogen.

Für alle gesetzlich versicherten Senior:innen gilt das, was auch für alle anderen GKV-Mitglieder gültig ist: Rente und Einkommen werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Für Einkommen, das die Grenze von monatlich 4.837,50 Euro (entspricht 58.050 Euro im Jahr, Stand 2021) übersteigt, zahlen Sie keine Sozialversicherungsbeiträge.

Wann lohnt sich die private Krankenversicherung für Rentner:innen?

Wenn Sie die meiste Zeit Ihres Erwerbslebens in der privaten Krankenversicherung versichert waren, steht Ihnen der Weg in die Krankenversicherung der Rentner nicht offen. Überhaupt ist es so gut wie unmöglich, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren, wenn Sie älter als 55 Jahre sind. In diesem Fall ist die PKV für Sie auch im Rentenalter die einzige Alternative.

Nutzen Sie den Zuschuss der Rentenversicherung

Haben Sie einen Anspruch auf die gesetzliche Rente, erhalten Sie von der Rentenversicherung einen Zuschuss zu Ihren Krankenversicherungsbeiträgen. Dieser beträgt 7,3 Prozent Ihrer gesetzlichen Rente. Höher als die Hälfte des Beitrages ist er jedoch nicht. Außerdem erhalten Sie diese finanzielle Ergänzung nicht automatisch; Sie müssen ihn beantragen.

Seit 2019 zahlt die Rentenversicherung zudem auch die Hälfte des Zusatzbeitrages, den die gesetzlichen Krankenversicherungen berechnen. Im Durchschnitt liegt dieser bei 1,3 Prozent. Daher zahlt die Rentenversicherung noch 0,65 Prozent an Sie aus, auch wenn Sie privatversichert sind.

Wie können Sie in der PKV die Beitragskosten senken?

Während die Beiträge in der GKV abhängig vom Einkommen sind, richtet sich der Beitrag in der PKV nach Tarif, Alter und Leistungsumfang. Ab dem 65. Geburtstag nutzt die PKV Ihre angesparten Altersrückstellungen, um die Beitragskosten gering zu halten.
Sollten Ihnen die Kosten für Ihren Krankenversicherungstarif dennoch zu hoch sein, können Sie innerhalb Ihrer Krankenversicherung in einen anderen Tarif wechseln, der ähnliche Leistungen zum günstigeren Preis bietet. Ihre Versicherung wird Ihnen dabei weiterhelfen. Haben Sie generell Fragen zum Tarifwechsel, sprechen Sie gerne in einer persönlichen Beratung mit unseren Versicherungs-Expert:innen von Comfortplan.

Tipp: Verzichten Sie beim Tarifwechsel jedoch nicht auf wichtige Leistungen, nur um Kosten zu sparen.

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