Minijob und Krankenversicherung

Achten Sie auf den richtigen Versicherungsschutz

  • Als Minijobber:in sind Sie nicht automatisch krankenversichert
  • Verschiedene Formen der Krankenversicherung stehen für Beschäftigte bereit
  • Besonderheiten bei Krankheit und Mutterschutz beachten
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Gleich ins Thema Minijob und Krankenversicherung einsteigen – Inhaltsverzeichnis

Anja Schlicht - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Das Wichtigste zur Krankenversicherung beim Minijob auf einem Blick:

Jedes Jahr gibt es sieben bis acht Millionen Menschen, die mindestens einen Minijob haben. Rund ein Drittel der Beschäftigten jobbt nebenbei, um den Verdienst aus der Hauptbeschäftigung aufzustocken. Minijobber:innen sind mehrheitlich Frauen.

Sobald Sie ausschließlich im Minijob arbeiten, müssen Sie sich dringend Gedanken über Ihre Krankenversicherung machen. Denn Sie sind nicht wie sonst üblich über den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin abgesichert.

Für den Schutz haben Sie verschiedene Optionen: Familienversicherung, studentische Krankenversicherung, freiwillige gesetzliche Krankenversicherung oder private Krankenversicherung.

Warum ist die Krankenversicherung beim Minijob so besonders?

Zunächst einmal etwas Theorie: § 8 SGB IV regelt, was ein Minijob eigentlich ist. Denn neben der bekanntesten Variante – ein Beschäftigungsverhältnis auf 450-Euro-Basis – zählen dazu noch zwei Formen. Sie arbeiten entweder fünf Tage die Woche für drei Monate oder insgesamt 70 Tage in einem Jahr. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Ferienjobs für Schüler:innen und Student:innen.

Der Minijob zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus:

Sie müssen die Krankenversicherung selbst regeln.

Für die geringfügige Beschäftigung fallen kaum Beiträge für die Sozialversicherung an.

Zur ersten Besonderheit des Minijobs: Sind Sie irgendwo angestellt, greift normalerweise die Versicherungspflicht. Sie sind dann automatisch bei einer gesetzlichen Krankenkasse Ihrer Wahl pflichtversichert. Nicht so beim Minijob. Hier müssen Sie sich um Ihre Krankenversicherung gesondert kümmern – obwohl Ihr Chef oder Ihre Chefin einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung zahlt.

In der Regel sind das 13 Prozent Ihres Bruttoverdienstes. Sind Sie im Privathaushalt angestellt, beträgt der Pauschalbeitrag nur fünf Prozent. Den Betrag zahlen Arbeitgeber:innen an die sogenannte Minijob-Zentrale, die Teil der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See ist. Sind Arbeitnehmer:innen bei einer privaten Krankenversicherung Mitglied, fällt kein Beitrag an.

Nun zu den Sozialabgaben, etwa für die Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung: Als Minijobber:in haben Sie in der Regel kaum Abzüge von Ihrem Einkommen. Sie sind zwar zunächst rentenversichert und zahlen 3,6 Prozent des Verdiensts an die Rentenkasse. Von dieser Pflicht können Sie sich jedoch befreien. Auch für die Arbeitslosenversicherung müssen Sie nichts zahlen. Gleiches gilt in den meisten Fällen für die Kranken- und Pflegeversicherung.

Das Zauberwort lautet „in den meisten Fällen“. Warum, erläutern wir im nächsten Abschnitt.

Lohnen sich Rentenbeiträge beim Minijob?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Kleiner Beitrag, große Wirkung. Denn die Beiträge an die Rentenversicherung tragen dazu bei, dass Sie unterschiedlichste Wartezeiten erfüllen, etwa für den vorzeitigen Renteneintritt oder für die Erwerbsminderungsrente. Ihre gesetzliche Rente erhöht sich über die Beitragszahlungen allerdings nur um wenige Euro pro Jahr.

Welche Krankenversicherung ist die richtige beim Minijob?

Wie bereits erwähnt, sind Arbeitnehmer:innen nicht über ihre Minijob-Beschäftigung krankenversichert, wie es bei normalen Angestellten der Fall ist. Nur wenn der Minijob zusätzlich zum Hauptjob ausgeübt wird, ist man über die Hauptbeschäftigung versichert. Trifft das auf Sie nicht zu, müssen Sie anderweitig versichert sein. Folgende Optionen gibt es dabei:

„Setzen Sie die Kosten der privaten Krankenversicherung in Ihrer Steuererklärung als Sonderausgaben ab. Von Ihrer Versicherung erhalten Sie dafür eine Übersicht Ihrer Ausgaben für die sogenannte Basisabsicherung. Nur diese Kosten berücksichtigt das Finanzamt.“

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Um es klipp und klar zu sagen: Für Ihre Krankenversicherung entstehen nur dann mit einem Minijob keine Kosten, wenn Sie familienversichert sind oder Sozialleistungen beziehen. In allen anderen Fällen kommen Sie um eine Beitragszahlung nicht herum.

Übrigens: Rentner:innen mit Minijob müssen sich nicht so viele Gedanken über ihre Krankenversicherung machen. Denn sie sind entweder über die Krankenversicherung der Rentner (KVdR), freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichert. Was das für die Kosten bedeutet, erläutern wir in unserem Magazinbeitrag „Krankenversicherung für Rentner:innen“.

Mindestlohnanspruch beim Minijob

Seit Juli 2021 gilt der Mindestlohn von 9,60 Euro pro Stunde. Auf diesen haben auch geringfügig Beschäftigte, also Minijobber:innen Anspruch. Sie können so maximal etwa 46 Zeitstunden im Monat in ihrem Job arbeiten, ehe die 450-Euro-Grenze erreicht wird. Zum 1. Januar 2022 steigt der Verdienst auf 9,82 Euro, sodass Arbeitgeber:innen die Arbeitszeit auf unter 46 Stunden reduzieren müssen.

Minijob und Krankenversicherung: Diese Kosten entstehen

Die nachfolgende Tabelle zeigt, ob Sie für die Krankenversicherung einen Beitrag zahlen müssen, wenn Sie einen Minijob haben.

Absicherung über…Monatsbeitrag
FamilienversicherungEntfällt
Studentische Krankenversicherung76,85 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
Freiwillige gesetzliche KrankenversicherungMindestens 154 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
Private KrankenversicherungAbhängig von gesundheitlicher Fitness und Leistungsumfang
Freiwillige gesetzliche Krankenversicherung
Für wen der Versicherungsschutz ist, was er kostet

In der Rubrik „Wissen“ finden Sie InfosTipps und Ratgeber aus verschiedenen Bereichen des Alltags, in denen auch Schutz, Absicherung und Finanzen eine Rolle spielen.

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Welche Besonderheiten gelten für Minijobber:innen?

Zunächst die gute Nachricht: Geht es Ihnen einmal nicht so gut und Sie melden sich krank, haben Sie wie vollbeschäftigte Arbeitnehmer:innen Anspruch auf die Lohnfortzahlung. Ihr Arbeitgeber oder Ihre Arbeitgeberin muss also für die ersten sechs Wochen weiter Ihr Gehalt zahlen.

Nun zur schlechten Nachricht: Nach diesen sechs Wochen bekommen gesetzlich versicherte Beschäftigte Krankengeld. Da Sie jedoch nicht über Ihre Arbeitsstelle krankenversichert sind, gibt es diese Leistung im Krankheitsfall nicht. Sind Sie auf das Geld angewiesen, bleibt Ihnen nur der Antrag auf Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung.

Auch werdende Mütter mit Minijob müssen aufpassen: Sind sie familien- oder privatversichert, erhalten sie kein Mutterschaftsgeld. Sie haben stattdessen die Möglichkeit, beim Bundesamt für Soziale Sicherung einen einmaligen Ausgleich von bis zu 210 Euro zu beantragen. Freiwillig versicherte Minijobberinnen bekommen von der Krankenkasse einen Tagessatz von bis zu 13 Euro.

Gleitzone: Was passiert mit der Krankenversicherung bei mehreren Minijobs?

Sie können die Verdienstgrenze von 450 Euro bis zu drei Mal im Jahr überschreiten, ohne das Konsequenzen drohen. Würden Sie mit dem Job dauerhaft mehr verdienen, greift die Versicherungspflicht. Sie müssen sich dann gesetzlich krankenversichern.

Gleiches gilt, wenn Sie mehrere Nebenjobs haben und über die Verdienstgrenze kommen. Solange Ihr Einkommen aus den geringfügigen Beschäftigungen zwischen 450 Euro und 1.300 Euro monatlich liegt, befinden Sie sich in der sogenannten Gleitzone. Dort fallen zwar Beiträge für die Sozialversicherung an, aber nicht im gleichen Rahmen wie für Personen mit einem hauptberuflichen Arbeitsverhältnis.

Die Berechnung der Kosten für die Krankenversicherung für die sogenannten Midijobber:innen ist etwas kompliziert. Vereinfacht gesagt wird zunächst mit Hilfe des „Faktor F“ ein Gleitzonenentgelt berechnet.

Die Formel dafür sieht 2021 wie folgt aus:

1,131876 x Arbeitsentgelt – 171,43941 Euro

Ihr Krankenversicherungsbeitrag wird auf Grundlage dieses Entgelts berechnet. Auch Ihr:e Arbeitgeber:innen beteiligen sich an den Kosten, allerdings wird dabei Ihr normales Bruttogehalt berücksichtigt. Sie zahlen dann nur noch die Differenz.

Verstehen Sie an dieser Stelle nur noch Bahnhof? Zugegeben, ohne ein konkretes Beispiel kommen wir nicht weiter. Also:

Gehen wir davon aus, dass Sie mit verschiedenen Arbeitsverhältnissen 650 Euro im Monat verdienen. Beim Beitrag für die Krankenkasse nehmen wir an, dass die Kasse keinen Zusatzbeitrag erhebt. Der Beitragssatz liegt also bei 14,6 Prozent, wovon 7,3 Prozent arbeitgeberseitig übernommen werden.

Einkommen650 Euro
Gleitzonenentgelt (1,131876 x 650 Euro – 171,43941 Euro)564,28 Euro
Voller Krankenkassenbeitrag (14,6 Prozent von 564,28 Euro)82,38 Euro
Arbeitgeberanteil (7,3 Prozent von 650 Euro)47,45 Euro

Ihre Krankenkasse erhält also insgesamt rund 82 Euro im Monat für den Krankenversicherungsschutz. Ihr:e Arbeitgeber:innen haben allerdings schon 47,45 Euro überwiesen. Bleiben 34,93 Euro, die von Ihrer Midijob-Tätigkeit an die Krankenkasse gehen.

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