Arbeitslos Krankenversicherung

Wer bezahlt die Krankenversicherungs­beiträge, wenn ich arbeitslos bin?

  • PKV oder GKV – Worauf kommt es an?
  • Kostenzuschuss vom Staat sichern
  • Bei Familienversicherung gibt es Besonderheiten zu beachten
Kurzinfos

Direkt ins Thema Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit einsteigen – Inhaltsverzeichnis

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit: Das Wichtigste kurz erklärt

Ob Sie sich bei Arbeitslosigkeit gesetzlich oder privat krankenversichern müssen, hängt zum Teil davon ab, wie Sie zuvor versichert waren.

Für gesetzlich Krankenversicherte übernehmen Arbeitsagentur beziehungsweise Jobcenter die Beitragszahlungen an die Krankenkasse.

PKV-Versicherte, die ALG I erhalten, können in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Bei Hartz4-Empfänger:innen zahlt das Jobcenter einen Zuschuss zu den PKV-Versicherungsbeiträgen.

Verlieren Sie Ihren Job, haben Sie schon genug um die Ohren. Sie müssen mit weniger Geld auskommen und auf neue Stellen bewerben. Gut, dass Sie sich keine Gedanken um die Krankenversicherung machen müssen. Arbeitsagentur und Jobcenter übernehmen die Kosten dafür. Allerdings gibt es an einigen Stellen besondere Vorgaben und Bedingungen. Wir erklären Ihnen in diesem Ratgeber, was Sie wissen müssen.

Krankenversicherung bei Bezug von Arbeitslosengeld I

Waren Sie vor Ihrer Arbeitslosigkeit gesetzlich versichert, dann ändert sich für Sie nichts. Sie bleiben bei Ihrer Krankenkasse versichert. Die Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung übernimmt die Arbeitsagentur, inklusive Zusatzbeitrag.

Besteht eine Familienversicherung, bleibt auch diese in der Zeit der Arbeitslosigkeit unverändert.

Was machen Arbeitslose, die keine finanzielle Hilfe erhalten?

Wer keinen Anspruch auf ALG I hat, aber auch kein ALG II bewilligt bekommt (beispielsweise, weil der oder die Ehepartner:in zu viel verdient), steht ohne staatliche Hilfe da, auch bei der Krankenversicherung. Diese ist jedoch Pflicht.

Trifft das auf Sie zu, können Sie sich freiwillig gesetzlich versichern. Rund 160 Euro pro Monat kostet diese Form der Krankenversicherung.

Auch die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse wäre eine Möglichkeit.

Lohnt sich ein Krankenkassenwechsel bei Bezug von Arbeitslosengeld?

Als gesetzlich Krankenversicherte:r können Sie sich eine günstigere Krankenkasse suchen. Verpflichtet sind Sie dazu jedoch nicht, zumal die Krankenkassenbeiträge komplett von der Arbeitsagentur oder vom Jobcenter übernommen werden. Von einem Kassenwechsel profitieren Versicherte, wenn sie dadurch ein besseres Angebot an Zusatzleistungen erhalten, etwa eine große Auswahl an Bonusprogrammen oder die Erstattungen von Vorsorgeuntersuchungen.

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Versicherung bei Sperrzeit

Wer den Job selbst kündigt und deshalb arbeitslos wird, wird mit einer Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen belegt. Die Agentur für Arbeit übernimmt in dieser Zeit dennoch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Ausnahme: Sie erhalten eine Abfindung. Dann zahlen Sie die Beiträge selbst, normalerweise in Form einer freiwilligen Versicherung.

Wenn Sie vor der Arbeitslosigkeit privat krankenversichert waren

Sind Sie jünger als 55 Jahre, werden Sie bei Arbeitslosigkeit und Bezug von ALG I versicherungspflichtig. Das heißt: Sie müssen von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Dafür haben Sie zwei Wochen Zeit, ab dem Zeitpunkt, an dem Sie die ALG-Leistungen beziehen.

Und nun die gute Nachricht: Sie können sich von dieser Versicherungspflicht befreien lassen, vorausgesetzt Sie waren in den letzten fünf Jahren vor der Arbeitslosigkeit durchgehend privat krankenversichert. Innerhalb von drei Monaten ab Beginn Ihrer Arbeitslosigkeit, müssen Sie den Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei einer Krankenkasse stellen.

Wer zahlt die PKV-Beiträge? Die Agentur für Arbeit zahlt Ihnen auch als Privatversicherte:r einen Zuschuss zu Ihren Kosten für die Krankenversicherung. Diese Summe ist jedoch nicht höher als der Betrag, den eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung kosten würde. Mehr als 384,58 Euro (Stand 2021) gibt es von der Agentur nicht.

Personen, die älter als 55 Jahre sind, bleiben bei ALG I-Bezug privat versichert –  Sie sind nicht mehr von der Versicherungspflicht in der GKV betroffen. Aber auch sie erhalten von der Arbeitsagentur nur den maximalen Anteil, der sich an den Kosten für die gesetzliche Krankenkasse orientiert. Den Rest der Kosten zahlen Sie.

Um Ihre Ausgaben zu reduzieren, können Sie in einen günstigeren Tarif wechseln. Auch die Sozialtarife der PKV – der Standardtarif (nur für Versicherte, die vor 2009 versichert waren) und der Basisarif – bieten sich an. Preis und Leistungsangebot entsprechen dem Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenversicherung.

„Wenn Sie die Voraussetzungen für die Befreiung von der Versicherungspflicht nicht erfüllen und sich wieder gesetzlich versichern müssen, dann denken Sie daran, eine Anwartschaftsversicherung der PKV abzuschließen. Damit können Sie – wenn sich Ihre Berufssituation wieder ändert – schnell wieder in Ihren PKV-Tarif wechseln, ohne Gesundheitsprüfung und ohne Verlust Ihrer Altersrückstellungen.“

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Jenny Gebel Online-Redakteurin

Krankenversicherung bei Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz 4)

Wenn Sie Arbeitslosengeld II beziehen und gesetzlich versichert sind, zahlt das Jobcenter die Krankenkassenbeiträge.

  • Gibt es eine Familienversicherung, sind Ihre Kinder nur noch bis zum Alter von 14 Jahren mitversichert. Alle anderen Personen brauchen einen eigenen Versicherungsvertrag. Die Beitragszahlung wird dennoch vom Jobcenter übernommen.

Private Krankenversicherung und Arbeitslosengeld II

Beziehen Sie als Privatversicherte:r Hartz 4, müssen Sie in der PKV bleiben. Das Jobcenter übernimmt  hierbei maximal die Kosten, die der Hälfte des Basistarifs entsprechen. 2021 beträgt der maximale Zuschuss für privat Krankenversicherte mit ALG II-Bezug

Euro
im Monat

Bleiben Sie in einem Tarif, der teurer ist, müssen Sie den Rest der Kosten selbst tragen.

Wechseln Sie jedoch in den Basistarif Ihrer PKV, halbiert die Versicherung die Beitragskosten für diesen PKV-Sozial-Tarif in der Zeit, in der Sie ALG II erhalten. Das bedeutet: Sie müssen nicht aus eigener Tasche bezahlen. Der Zuschuss vom Jobcenter deckt die Kosten komplett.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Die Rückkehr in den ursprünglichen PKV-Tarif gestaltet sich in den meisten Fällen schwierig. Dann ist eine erneute Gesundheitsprüfung fällig und die zieht oft höhere Kosten nach sich. Überlegen Sie es sich also gut, ob der Wechsel in den Basistarif für Sie infrage kommt.

Krankenversicherung für Rentner
Wie sind Rentner:innen am besten versichert?

In der Rubrik „Wissen“ finden Sie InfosTipps und Ratgeber aus verschiedenen Bereichen des Alltags, in denen auch Schutz, Absicherung und Finanzen eine Rolle spielen.

Zum Beitrag

Wer bezahlt die Krankenversicherungsbeiträge bei Grundsicherung?

Eine staatliche Grundsicherung erhalten nicht nur Personen, die das gesetzliche Rentenalter erreicht haben und deren Einkommen nicht zum Lebensunterhalt ausreicht. Auch Menschen, die wegen Erwerbsminderung nicht mehr arbeitsfähig und hilfsbedürftig sind, haben Anspruch darauf.

Wie sieht es dann mit der Krankenversicherung aus? Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten:

Bei GKV Pflichtversicherung

Sie sind versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. dann rechnet das Sozialamt Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu Ihrem Bedarf hinzu. Die Summe wird dann von Ihrem anrechenbaren Einkommen abgezogen.

Bei Freiwilliger oder privater Krankenversicherung

Sie sind entweder freiwillig in der GKV oder in der PKV versichert. Ihre Beiträge zahlen Sie Auch hier berücksichtigt das Sozialamt diese Kosten und zählt sie zu Ihrem Bedarf hinzu.

Das Sozialamt beachtet diese Kosten in jedem Fall, wenn es Ihren Bedarf ermittelt. Bei den PKV-Kosten zahlt die Behörde aber nicht mehr als den oben genannten Maximalzuschuss von rund 384 Euro.

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