Krankengeld

So viel Geld zahlt die Krankenkasse, wenn Sie lange krank sind

  • Nicht mehr als 90 Prozent vom Nettogehalt
  • Wichtige Absicherung für Selbstständige
  • Mit Infos zum Kinderkrankengeld
Kurzinfos

Direkt ins Thema Krankengeld einsteigen – Inhaltsverzeichnis

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Krankengeld: Das Wichtigste kurz erklärt

Das Krankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Arbeitnehmer:innen erhalten es, wenn sie länger als sechs Wochen in Folge wegen einer Erkrankung krankgeschrieben sind.

Die Höhe beträgt etwa 90 Prozent des Nettogehaltes. Sie erhalten es maximal 78 Wochen lang.

Selbstständige, die in der GKV versichert sind, können das Krankengeld in ihrer Krankenkasse als zusätzliche Leistung vereinbaren.

Sind Sie angestellt und können wegen Krankheit nicht arbeiten, erhalten Sie zunächst für sechs Wochen weiterhin Ihren vollen Lohn. Dauert Ihre Arbeitsunfähigkeit länger an, springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein. In diesem Ratgeber lesen Sie, wer diese Leistung erhält und wie viel Geld die Krankenkasse auszahlt. Auch die Fragen, wie lange gezahlt wird und was danach folgt, beantworten wir für Sie.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Das Krankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Trotzdem erhalten es nicht alle Versicherten.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld haben folgende Mitglieder:

  • Arbeitnehmer:innen
  • Auszubildende
  • Beziehende von Arbeitslosengeld I

Angestellte erhalten das Krankengeld, wenn sie:

… im Krankenhaus oder in der Reha-Klinik behandelt werden und die Lohnfortzahlung schon beendet ist.

länger als sechs Wochen wegen einer Erkrankung krankgeschrieben, also arbeitsunfähig, sind.

… eine neue Stelle angefangen haben und dort innerhalb der ersten vier Wochen erkranken. In diesem Sonderfall müssen Arbeitgeber:innen keine Lohnfortzahlung leisten. Die Krankenkasse springt dann mit dem Krankengeld ein.

Wer ALG I bezieht, erhält in den ersten sechs Wochen weiterhin Geld von der Arbeitsagentur. Nach sechs Wochen zahlt die Krankenkasse das Krankengeld aus.

  • Wichtig: Die Krankenkasse zahlt das Geld nicht automatisch aus. Voraussetzung ist, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, also der gelbe Schein mit dem ärztlichen Attest, rechtzeitig vorliegt.

Keinen Anspruch auf die Leistung haben familienversicherte Ehepartner:innen und Kinder, Studierende und Empfänger:innen von ALG II.

Selbstständige müssen sich selbst um Absicherung kümmern

Sind Sie als Selbstständige:r  gesetzlich krankenversichert, gelten Sie als freiwilliges Mitglied. Normalerweise zahlen Sie den ermäßigten Grundbeitrag in Höhe von 14 Prozent des Einkommens und den Zusatzbeitrag, den die Krankenkasse erhebt. Sie haben dann jedoch noch keinen Anspruch auf Krankengeld. Stattdessen müssen Sie sich aktiv darum kümmern, dass Sie im Krankheitsfall abgesichert sind. Dafür haben Sie mehrere Möglichkeiten:

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Wie hoch ist die Krankengeldzahlung?

Wie viel Krankengeld Sie erhalten, richtet sich nach Ihrem Einkommen. Das Gesetz gibt folgende Richtlinien vor:

  • Das Krankengeld liegt bei 70 Prozent des Bruttoverdienstes, darf jedoch nicht höher sein als 90 Prozent des Netto-Arbeitsentgelts. Es zählt jeweils der geringere Wert.
  • Abgezogen werden zudem die Arbeitnehmer:innen-Anteile für die Sozialversicherungen, also Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung. In der Krankenkasse sind Sie in der Zeit, in der Sie Krankengeld beziehen, beitragsfrei versichert.

Schauen wir uns an einem Beispiel an, wie das Ganze in Zahlen aussieht:

Eine Arbeitnehmerin hat einen Bruttoverdienst von 3.000 Euro monatlich. Ihr Nettogehalt liegt bei 2.000 Euro.

70 Prozent des Bruttogehaltes2.100 Euro
90 Prozent des Nettos1.800 Euro
Monatliches Krankengeld (brutto)1.800 Euro
Abzüge der Sozialversicherungen 12,025 Prozent (gerundet)–   217 Euro
Monatliches Krankengeld (netto)1.583 Euro
Differenz zum normalen Netto-Arbeitsentgelt    417 Euro

Zum Vorteil der Arbeitnehmer:innen zählen einmalige Zahlungen wie Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld mit in die Berechnung hinein. Das erhöht Ihr Gehalt und damit auch Ihr Krankengeld.

Wo liegt der Höchstsatz für das Krankengeld?

Die Krankenkasse rechnet das Krankengeld für jeden Kalendertag aus, weil dies für die Auszahlung wichtig ist. Bezogen auf das Beispiel oben wäre es ein Tagessatz von 52,76 Euro.

Damit liegt der Wert noch bequem unter dem Höchstsatz von aktuell

Euro
pro Tag (Stand 2021)

Dieser Maximalwert ergibt sich aus der geltenden Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung. Diese liegt zurzeit bei 4.837,50 Euro (brutto) monatlich.

Jetzt können Sie grob überschlagen: 70 Prozent davon sind etwa 3.386 Euro. Hiervon noch die Anteile für die Sozialversicherungen abgezogen (etwa 12 Prozent), ergibt rund 2.980 Euro. So viel Krankengeld würden Sie in etwa erhalten, wenn Sie mit Ihrem Verdienst im Bereich der Beitragsbemessungsgrenze liegen.

Übersteigt Ihr Einkommen diese Berechnungsgrenze, erleben Sie durch das niedrigere Krankengeld deutliche Einkommenseinbußen. In einigen Branchen zahlen Arbeitgeber:innen einen Ausgleich und füllen damit die Lücke zwischen Krankengeld und Regelgehalt. Haben Sie diese Vorteile nicht, können Sie mit einer Krankentagegeldversicherung vorsorgen

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In der Rubrik „Wissen“ finden Sie InfosTipps und Ratgeber aus verschiedenen Bereichen des Alltags, in denen auch Schutz, Absicherung und Finanzen eine Rolle spielen.

Zum Beitrag

Ab wann und wie lange zahlt die Krankenkasse das Krankengeld?

Einen Anspruch auf Krankengeld haben Sie ab dem Tag, an dem Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie krankschreibt. Die Krankenkasse zahlt Ihnen diese Leistung höchstens 78 Wochen lang innerhalb von drei Jahren, jeweils für eine Krankheit.

Kürzung der Leistungsdauer

Bei Arbeitnehmer:innen ruht dieser Anspruch in den ersten sechs Wochen jedoch, weil sie in dieser Zeit noch das volle Gehalt ausgezahlt bekommen (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall). Für sie verkürzt sich die Leistungsdauer daher entsprechend auf 72 Wochen.

Bei Elternzeit oder Bezug von Arbeitslosengeld II erhalten Sie ebenfalls kein Krankengeld.

Zwei Dinge sollten Sie dazu wissen:

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Nach 78 Wochen Krankschreibung erhalten Sie kein Krankengeld mehr. Je nachdem, wie Ihr Gesundheitszustand ist, stehen für die anschließende Zeit drei Wege offen:

  • Sie sind gesund und können wieder in Ihrem Job arbeiten.
  • Sie erhalten Arbeitslosengeld wegen Arbeitsunfähigkeit (Aussteuerung).
  • Wegen Ihrer Erkrankung können Sie nicht mehr zu 100 Prozent in Ihrem Beruf arbeiten und haben Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.
Vanessa Lindner
Expertin für Einkommensabsicherung

„Sollte sich die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich über Wochen und Monate hinziehen, kann Ihre finanzielle Lage eng werden. Besonders dann, wenn Ausgaben für Medikamente oder Therapie-Hilfsmittel hinzukommen. Einen Versicherungsschutz gegen ein solches Arbeitsausfall-Risiko bietet Ihnen eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Hier sind die Policen interessant, die bereits bei Arbeitsunfähigkeit eine Zahlung leisten. Sie wünschen mehr Infos dazu? Dann buchen Sie sich einfach eine persönliche Beratung bei Comfortplan.“

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Expertin für Einkommensabsicherung

Was müssen Sie tun, um Krankengeld zu erhalten?

Eine komplizierte Antragstellung ist fürs Krankengeld zwar nicht notwendig. Dennoch ist es wichtig, dass Sie Ihre Krankenkasse rechtzeitig informieren und sich darum kümmern, dass die Bescheinigungen Ihrer Arbeitsunfähigkeit (AU) vollständig vorliegen.

Ab dem 1. Oktober 2021 stellen Arztpraxen die Krankschreibung auf elektronischem Weg aus. Arbeitgeber:in und Krankenkasse erhalten die Meldung für Ihre Arbeitsunfähigkeit (AU) schnell und bequem in digitaler Form. Um einen termingerechten Eingang des AU-Formulars müssen Sie sich dann nicht mehr kümmern. Sollten die technischen Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben sein, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie darüber informieren. Dann ist doch der übliche Weg nötig, bei dem Sie die Unterlagen via Brief pünktlich an Ihre Kasse senden.

Regelungen zum Kinderkrankengeld: Zu Hause bleiben, weil das Kind krank ist

Berufstätige Eltern haben Anspruch auf ein Kinderkrankengeld, wenn sie ihren erkrankten Nachwuchs auf ärztlichen Rat hin zu Hause gesund pflegen. Diese Form des Krankengeldes entspricht etwa 90 Prozent des Nettolohnes.

Um diese GKV-Leistung zu erhalten, müssen Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  1. Sie sind gesetzlich versichert und auch das Kind ist in der Krankenkasse mitversichert.
  2. Der oder die Arbeitgeber:in hat Sie unbezahlt von der Arbeit freigestellt.
  3. Ihr Kind ist jünger als zwölf Jahre.
  4. In Ihrem Haushalt gibt es keine Person, die die Betreuung des Kindes übernehmen könnte.
  5. Die Ärztin oder der Arzt hält die Betreuung des Kindes für notwendig und hat Ihnen eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt.

Aufgrund der Corona-Pandemie gelten aktuell bis Ende 2021 einige Sonderregelungen. So stehen jedem gesetzlich versicherten Elternteil für die Betreuung eines kranken Kindes bis zu 30 Arbeitstage zu, für die sie Krankengeld erhalten. Alleinerziehende können 60 Arbeitstage pro Kind in Anspruch nehmen.

Haben Sie mehrere Kinder, erhöht sich die Zahl der gewährten Betreuungstage. Es gilt jedoch eine Obergrenze. Für jeden Elternteil liegt diese bei maximal 65 Arbeitstagen, für Alleinerziehende bei höchstens 130 Arbeitstagen pro Jahr.

Sie erhalten das Kinderkrankengeld auch dann, wenn die Kita oder die Schule wegen Corona teilweise oder ganz geschlossen ist und Ihr Kind zu Hause bleiben muss. Dann ist eine Bescheinigung der Einrichtung nötig, damit die Krankenkasse Ihnen diese Leistung zahlt.

Achtung: Ist ein Elternteil in der PKV und ist das Kind dort mitversichert, gelten diese Regelungen zum Kinderkrankengeld nicht.

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