Jung in Rente gehen Ist es möglich, mit 40 nicht mehr arbeiten zu müssen?

  • Unabhängiges Leben mit Frugalismus erreichbar
  • Bewusstes Sparen für Frührente essenziel
  • Hohe Sparquote und gute Planung wichtig
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Anja Schlicht - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Gleich einsteigen ins Thema Jung in Rente gehen – Inhaltsverzeichnis

Mit genügsamem Leben finanzielle Unabhängigkeit erreichen

Wer heute ins Erwerbsleben einsteigt, kann sich darauf einstellen, mindestens 40 Jahre arbeiten zu müssen, ehe das wohlverdiente Rentenalter beginnt. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass es künftig noch länger bis zum Rentenbeginn dauern kann. Aktuell liegt das Renteneintrittsalter zwar bei 67 Jahren. Aber es mehren sich die Stimmen nach einer Erhöhung auf 70 Jahre.

Ob nun 40 oder 45 Jahre – so oder so klingt das nach einer sehr langen Zeit. Nicht jeder Mensch ist gewillt, solange auf den Ruhestand warten zu wollen. Diese Personen arbeiten dagegen darauf hin, möglichst jung in Rente zu gehen. Ihr Ziel ist es, mit 40 oder 45 Jahren den Job zu kündigen und nur noch von ihren Ersparnissen beziehungsweise Kapitalerträgen zu leben. Sie werden als Frugalisten bezeichnet. Ein weiteres wichtiges Schlagwort ist die FIRE-Bewegung, wobei FIRE für „Financial Independence, Retire Early“, also finanzielle Unabhängigkeit und frühe Rente steht.

Der Begriff „frugal“ bedeutet dabei sparsam oder genügsam. Zweiteres trifft es dabei wohl eher. Denn es geht beim Frugalismus nicht darum, um jeden Preis zu sparen, sondern um das Sparen und dabei zufrieden sein. Frugalisten begrenzen also die Kosten dort, wo es sinnvoll ist, zum Beispiel:

  • Nur wenig mit eigenem Auto fahren oder generell kein eigenes Auto haben

  • Zuhause kochen statt Ausgehen

  • Verträge optimieren, etwa fürs Smartphone oder Streaming-Plattformen

  • Gegebenenfalls umziehen, wenn die aktuelle Wohnung zu teuer ist

  • Freunde in den eigenen vier Wänden treffen

  • Gebrauchte Sachen kaufen

  • Auf Rabattaktionen achten

Für Personen, die auf Komfort Wert legen, ist es schwierig, unter diesen Rahmenbedingungen jung in die Rente starten zu können. Denn nicht nur in der Sparphase gelten diese Grundwerte. Auch im verfrühten Ruhestand leben viele Frugalisten bewusst sparsam.

Die finanzielle Freiheit ist beim Frugalismus dann erreicht, wenn die monatlichen Ausgaben nur aus dem Sparvermögen gedeckt werden. Dieses soll bis zum Lebensende reichen. Damit das gelingt, heißt es früh mit dem Sparen und Anlegen zu beginnen.

Planung

Disziplin

Strategie

Planung, Disziplin und Strategie sind wichtige Faktoren, um jung in Rente gehen zu können. Sie brauchen einerseits Kapital, um die Zeit zwischen verfrühter Rente und Ihrem regulären Renteneintritt finanziell zu überbrücken. Andererseits muss das Geld ausreichen, damit Sie als Rentner:in gut leben können. Denn durch Ihren verfrühten Rentenbeginn mit 40 oder 45 Jahren fehlen über 20 Jahre, in denen Sie keine Rentenbeiträge zahlen. Ihre gesetzliche Rente fällt entsprechend gering aus.

Dazu ein Beispiel: Tim Mustermann ist mit 25 Jahren ins Berufsleben gestartet und hat seitdem immer das Durchschnittsgehalt verdient. 2021 liegt das Durchschnittsentgelt beispielsweise bei 41.541 Euro brutto (Ost: 39.228 Euro) im Jahr.

Will Tim mit 45 Jahren vergleichsweise jung in Rente gehen, hat er also 20 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und für jedes Jahr einen vollen Rentenpunkt erhalten. Diese 20 Entgeltpunkte sind aktuell 683,80 Euro (669,40 Euro) pro Monat wert – ohne Abzüge für die Krankenversicherung, Steuern und andere Posten. Die Ausgaben im Alter werden selbst bei bewusst zurückhaltender Lebensweise deutlich darüber liegen.

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Zum Beitrag

Wie gehen Sie vor, um jung in Rente gehen zu können?

Disziplin und Planung sind die Eckpfeiler für einen sehr frühen Rentenbeginn. Drei Schritte sind dabei wichtig:

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  • Sparrate: Die durchschnittliche Sparquote der Deutschen liegt bei zehn Prozent. Von 100 Euro werden also zehn Euro gespart. Mit Beginn der Coronapandemie hat sich der Wert zwar auf 16 Prozent erhöht. An die Sparquote von Frugalisten kommen Sie als Durchschnittssparer:in jedoch noch lange nicht heran. Denn sie legen zwischen 30 und 70 Prozent ihres Einkommens zurück.
    Besonders hohe Sparraten sind dabei für Personen möglich, die in Berufen arbeiten, mit denen es sich gut verdienen lässt, etwa als Ärzt:in, Anwält:in oder Finanzmanager:in. Wenn das Einkommen nicht so üppig ist, fällt es sicherlich weniger leicht, die Hälfte des Einkommens oder mehr zur Seite zu legen, allein schon wegen der Miete und der Kosten für Lebensmittel.
  • Sparziel: Eine Faustregel besagt, dass Sie etwa das 25-Fache Ihres Jahresbedarfs (also die gesamten Ausgaben innerhalb eines Jahres) brauchen, um jung in Rente zu gehen und um nur noch von Ihren Ersparnissen zu leben. Liegen Ihre Ausgaben beispielsweise bei 40.000 Euro im Jahr, können Sie Ihren Job kündigen, wenn Sie eine Million Euro angespart haben.
    Eine weitere Faustregel lautet zudem: Sie sollten maximal vier Prozent aus Ihren Sparanlagen entnehmen, um Ihr neues Leben zu finanzieren. Dieser Wert geht auf die sogenannte Trinity-Studie zurück. Sie zeigt, dass Sparer:innen selbst im ungünstigsten Fall wie einem Börsencrash ihr Erspartes auf lange Sicht nicht aufbrauchen, wenn sie höchstens vier Prozent aus der Geldanlage pro Jahr entnehmen.
  • Spardauer: Viele gehen bei ihrer Planung davon aus, dass sie mindestens die durchschnittliche Lebenserwartung erreichen. Aktuell beträgt diese für neugeborene Mädchen 83,4 Jahre und für Jungen 78,6 Jahre.

Welche Vorsorgeformen eignen sich für den frühen Ruhestand?

Damit der junge Einstieg in das Leben ohne Arbeit gelingt, ist eine vernünftige Rendite ein Muss. Sonst dauert nicht nur der Vermögensaufbau sehr lange und der frühe Rentenbeginn rückt in die Ferne. Auch das angesparte Kapital droht schneller zu verebben als geplant. Ihr Blick sollte daher auf den Aktienmarkt gerichtet sein.

ETFs

Aktienfonds

Einzelaktien

Auf dem Kapitalmarkt bilden sogenannte ETFs einen sehr guten Kompromiss zwischen Risiko, Rendite und Sicherheit. ETFs sind Fonds, die einen Aktienindex nachbilden. Dient etwa der DAX als Grundlage, würde Ihr Geld im ETF in genau diese 40 Unternehmen investiert werden, die sich im DAX wiederfinden.

Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds sind ETFs deutlich günstiger, da kein Fondsmanager bezahlt werden muss. Im Gegenzug wird die Rendite nie höher sein als die des Referenzindexes, etwa vom DAX. Das ist aber auch nicht das Ziel von ETFs. Wollen Sie mehr Rendite an der Börse erzielen – und dafür ein hohes Risiko in Kauf nehmen, müssen Sie in Einzelaktien investieren und auf Kursanstiege spekulieren.

ETFs stellen also eine sehr gute Basis für Ihren Vermögensaufbau dar. Brauchen Sie etwas mehr Sicherheit, können Sie sich für ein Fest- und Tagesgeldkonto entscheiden. Dahin sollte jedoch nur ein kleiner Teil Ihres Sparbetrags fließen, da die Zinsen kaum noch nennenswert sind. Weitere Anlagemöglichkeiten stellen Rohstoffe, Immobilien und Staatsanleihen dar.

Und was ist mit Versicherungen, fragen Sie sich?

Sie werden fürs Rentenalter interessant. Denn die meisten Altersvorsorge-Versicherungen bieten Ihnen eine lebenslange Rente. Gerade diese können Sie als notwendige Ergänzung zu Ihrer gesetzlichen Rente gebrauchen.

Doch als junger Mensch fällt es alles andere als leicht, sich für ein Produkt zu entscheiden, bei dem man vertraglich verpflichtet ist, 30 Jahre und länger einzuzahlen. Während sich bei ETFs die Sparrate flexibel anpassen und die Performance transparent überblicken lässt, sind das nicht gerade Attribute, die mit Versicherungen zuerst verbunden werden.

Hinzu kommt, dass die Prioritäten gegebenenfalls woanders liegen: „Für junge Menschen ist die eigene Rente noch in weiter Ferne. Das Thema Altersvorsorge spielt daher selten eine große Rolle, wenn es erstmal um den Aufbau einer eigenen Existenz oder die Gründung einer Familie geht. Junge Leute sollten aber das Thema nicht vor sich herschieben. Sie sind am stärksten von den bisherigen Reformen und Rentenkürzungen betroffen. Sie haben aber auch deutlich mehr Zeit, selbst eine größere Vorsorgelücke zu stopfen“, sagt Annabel Oelmann von Verbraucherzentrale Bremen im Interview für das Projekt „15 Jahre Riester-Rente“.

Auch die Komplexität der Angebote, die Kosten der Versicherer und der geringe politische Fokus auf die Generation Z nehmen Expert:innen als Hürden bei der Vorsorge junger Leute wahr.

Damit die eigene Altersvorsorge für junge Generationen zugänglicher wird, braucht es Einfachheit: „Ich könnte mir vorstellen, dass junge Menschen sehr gut auf ein privates Altersvorsorgeangebot reagieren würden, das ähnlich wie eine Bestellung bei Amazon funktioniert: Die eingezahlten Beiträge inklusive Gebühren sollten ebenso ersichtlich sein wie die Prognose beziehungsweise das gesicherte Minimum für die monatliche Netto-Altersrente beim Renteneintritt – also unkompliziert und ehrlich. Wer möchte schon eine Altersvorsorge, bei der eventuell keine Zinsen auflaufen und im schlechtesten Fall nicht einmal die Einlagen übrigbleiben? Es müssen alle Risiken und Chancen transparent gemacht werden“, so Prof. Dr. Christian Scholz im Interview für das Projekt „15 Jahre Riester-Rente“.

„Wichtig ist, dass wir die geförderten Altersvorsorgeformen so auf die Beine stellen und regulieren, dass sie langfristig Vertrauen genießen können. Das ist unsere Aufgabe. Und wir müssen die Rahmenbedingungen dafür setzen, dass Menschen mit einem guten Gefühl in die kapitalgedeckte Altersvorsorge investieren und sich ein Polster für das Alter aufbauen.“

Anja Karliczek, CDU Interview für das Projekt „15 Jahre Riester-Rente“

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