Wie hoch ist eigentlich meine Grundrente? Und reicht mir dies in Zukunft? Hier gibt es Antworten.

Ampel-Pläne zur Rente Deutsches Institut für Altersvorsorge im Interview

  • SPD, Grüne und FDP legen Koalitionsvertrag vor
  • Sondierungspapier erfüllt kaum Erwartungen von Wirtschaft & Verbraucherschützer:innen
  • Was das Deutsche Instittut für Altersvorsorge von der Regierung erwartet
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Rentenpläne der Ampel: Wichtige Stellschrauben bleiben unberührt

Schon seit Jahren fordern Expert:innen die Regierung dazu auf, die gesetzliche Rente grundlegend zu reformieren. Andernfalls droht dem Rentensystem der Kollaps, so die Prognose. In Anbetracht des demografischen Wandels steigt der Handlungsdruck, die gesetzliche Rentenversicherung wird zunehmend belastet.

Anstatt Gesetze zur Stabilisierung des Rentensystems voranzubringen, haben die vergangenen Regierungen eher Maßnahmen eingeleitet, die die Rentenkasse zusätzlich beanspruchen. Beispiele hierfür sind die Grundrente, die Rente mit 63 und die Mütterrente. Auch wenn das Sondierungspapier noch kein Koalitionsvertrag ist, lässt sich erahnen, woran sich die Parteien herantrauen und woran nicht.

Im Interview mit Comfortplan gibt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) seine Einschätzung ab, welche dringenden Veränderungen das Rentensystem benötigt.

Deutschland bekommt eine Rot-Gelb-Grüne Regierung. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für die Riester-Rente?

Comfortplan

Die Riester-Rente stirbt gerade einen Tod auf Raten, daran wird wahrscheinlich auch eine Ampel-Koalition nichts ändern. Nach dem jetzigen Stand der Sondierungsberatungen sind eher neue Altersvorsorgemodelle zu erwarten, aber keine Reform der Riester-Rente.

Die ist allerdings dringend erforderlich. Mit der anstehenden Senkung des Rechnungszinssatzes ab dem kommenden Jahr werden sich weitere Anbieter aus dem Neugeschäft mit Riester-Renten zurückziehen, wenn nicht endlich die gesetzliche Beitragsgarantie gestrichen wird. Am Ende bleibt wohl nur noch die Verwaltung der vorhandenen Bestandsverträge übrig.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

In Ihrer Case Study „Was für Sparer übrig bleibt” schneidet die Riester-Rente dank ihrer Zulagen im Vergleich zur Basisrente, privaten Rentenversicherung und betrieblicher Altersvorsorge als effizienteste Altersversorgung für Geringverdiener ab. Ein Ende der staatlich geförderten Altersvorsorge wäre für sie daher von Nachteil. Wie müsste die Riester-Rente daher Ihrer Meinung nach reformiert werden, damit sie zukunftsfähig bleibt?

Comfortplan

Der Gesetzgeber müsste zumindest die Pflicht zur Bruttobeitragsgarantie aufheben. Sie ist das Knock-out-Kriterium im derzeitigen Zinsumfeld. Außerdem wäre eine Vereinfachung des Fördersystems ratsam, weil es erheblichen Aufwand und viele Fehlerquellen verursacht.

Verschiedene Vorschläge liegen für Letzteres seit Längerem auf dem Tisch. Zum Beispiel die Abschaffung der Unterschiede im Förderkreis. Die Einteilung in unmittelbar, mittelbar und nicht geförderte Personen ist von den meisten Sparern nie richtig verstanden worden. Stattdessen sollte jeder, der in Deutschland steuerpflichtig ist, auch Anspruch auf eine geförderte Riester-Rente habe.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

Könnten Sie erklären, warum eine Beitragsgarantie im derzeitigen Niedrigzinsumfeld kaum sinnvoll ist?

Comfortplan

Eine solche Beitragsgarantie zwingt die Anbieter in Zinspapiere, die keinen oder kaum noch Zins abwerfen. Wertpapiere mit mehr Renditepotenzial können immer weniger für die Kapitalanlage der Riester-Rente eingesetzt werden. So findet bei Altersvorsorgeformen mit Garantien nur eine geringe Kapitalvermehrung statt. Das Problem besteht übrigens auch in der betrieblichen Altersversorgung bei der sogenannten Beitragszusage mit Mindestleistung.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

In der Case Study schneidet die private Rentenversicherung für die anderen Musterkunden am besten ab. Woran liegt das vor allem?

Comfortplan

Die private Rentenversicherung besitzt zwei Vorteile. Sie kann erstens in der fondsgebundenen Variante viel freier anlegen, weil sie nicht gezwungen ist, eine Garantie zu stellen. Zweitens ist die steuerliche Behandlung für den Sparer günstig. In der Ansparphase fällt auf Erträge keine Abgeltungssteuer an. Das vergrößert den Zinseszinseffekt. In der Auszahlungsphase wiederum greift nur die niedrigere Ertragsanteilsbesteuerung, deren Höhe vom Alter des Rentenempfängers abhängt. Das wiederum führt zu höheren Nettorenten, die am Ende die entscheidende Größe für den Sparer sind.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

Kommen wir noch einmal zurück zu den Koalitionsverhandlungen. Eine aktienbasierte Zusatzrente – ob nun die liberale Aktienrente oder der grüne Bürgerfonds – rückt damit näher. Braucht Deutschland eine weitere Form der privaten Altersvorsorge?

Comfortplan

Nein, eine Konsolidierung und Vereinfachung des bestehenden Systems wäre der bessere Weg. Wir haben mit der jüngsten Studie noch einmal aufgezeigt, wie undurchschaubar das gesamte System für den Einzelnen ist. Selbst Experten haben große Mühe, für den individuellen Fall eine Aussage zu treffen, welche Altersvorsorgeform die optimale ist. Kommt nun noch ein Bürgerfonds oder Ähnliches hinzu, verkompliziert sich das System noch weiter.

So sehr auch höhere Aktienanteile für die Altersvorsorge, die bei diesen neuen Konzepten wohl vorgesehen sind, zu begrüßen wären: Höhere Anteile mit Aktien oder anderen Sachwerten lassen sich aber auch mit den vorhandenen Altersvorsorgeformen erreichen, vorausgesetzt der Gesetzgeber ändert bei einigen, zum Beispiel bei der Riester-Rente, die Spielregeln.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

Das Verhältnis von Rentner:innen zu Beitragszahler:innen fällt immer schlechter aus. Doch durch die doppelte Haltelinie wird sich bis 2025 weder beim Rentenniveau noch beim Beitragssatz wesentlich etwas ändern. Bleibt noch das Renteneintrittsalter. Wann sollte die Politik beginnen, sich darüber Gedanken zu machen?

Comfortplan

So schnell wie möglich, weil den Bürgern auch ausreichend Zeit bleiben muss, sich auf eine veränderte Situation einzustellen. Allerdings sieht es derzeit so aus, als ob sich in der laufenden Legislaturperiode dazu überhaupt nichts ändert. Dann wird 2025 der Druck zu einer Rentenreform umso größer sein.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

Was ist in Ihren Augen die größte Stellschraube im Bereich der Altersvorsorge, um die sich die neue Bundesregierung kümmern muss?

Comfortplan

Die Anpassung des Rentenalters an die demografische Entwicklung. Dazu gibt es ausreichend wissenschaftlich fundierte Vorschläge, zum Beispiel das Renteneintrittsalter mit der Zu- oder Abnahme der Lebenserwartung „atmen“ zu lassen. Aber das wird nicht passieren, weil sich die formierende Regierung auf Drängen der SPD in diesem Punkt schon festgelegt hat. Das Rentenalter, so das Versprechen von Scholz, soll nicht angetastet werden.

So bleiben als zweite wichtige Stellschraube Reformen, die wieder mehr Renditepotenzial in der geförderten Altersvorsorge zulassen und für höhere Nettorenten sorgen.

Klaus Morgenstern Deutsches Institut für Altersvorsorge

Klaus Morgenstern

Vielen Dank für das Interview, Herr Morgenstern.

Comfortplan

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