Beitragsbemessungsgrenze Krankenversicherung

„Bis hierher und nicht weiter“ – Höchstgrenze bei der Kassenbeitrags­berechnung

  • Was bedeutet sie?
  • Warum gibt es sie?
  • Warum ist sie wichtig für die PKV?
Kurzinfos

Direkt ins Thema Beitragsbemessungs­grenze (BBG) einsteigen – Inhaltsverzeichnis

Jenny Gebel - Redakteurin bei Comfortplan (Finanzen Group)

Das Wichtigste zur Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung auf einem Blick

Sie ist eine Rechengröße der Sozialversicherung, die jedes Jahr neu bestimmt wird.

Aktuell liegt sie bei 4.837,50 Euro (brutto) pro Monat. Dies ist das höchste Gehalt, was für die Berechnung des Krankenversicherungsbeitrags berücksichtigt wird.

Sie bildet die Grundlage, um maximale Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung auszurechnen, etwa den Arbeitgeberzuschuss, mit dem privatversicherte Angestellte rechnen können.

Jeden Monat werden bei Angestellten vom Bruttogehalt die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Wussten Sie, dass dies nur bis zu einer bestimmten Höhe geschieht? Wie hoch der Betrag maximal sein darf, bestimmt die Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Diese gibt es für die Krankenversicherung sowie für die Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Welche Bedeutung diese Rechengröße für Sie und Ihre Finanzen hat, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist unter der Beitragsbemessungsgrenze zu verstehen?

Das lange Wort gibt sich schnell als Fachbegriff zu erkennen. Doch wenn wir uns die einzelnen Teile kurz aufschlüsseln, wird die Bedeutung schnell klar:

Beitrag – Bemessung – Grenze

Beiträge bemessen heißt so viel wie Beiträge ausrechnen oder berechnen. Die Beitragsbemessungsgrenze markiert den Höchstwert, den Sie für die jeweilige Sozialversicherung zahlen müssen. Er bezieht sich auf Ihr Arbeitsentgelt. Die Beitragsbemessungsgrenze gibt also vor, bis zu welchem Einkommen Sie Sozialversicherungsbeiträge abführen. Jeder Euro des Bruttogehaltes, der über diesem Maximalwert liegt, bleibt beitragsfrei.

Für die gesetzliche Krankenversicherung hat dieser Maximalwert neben der Beitragsbegrenzung noch eine andere Bedeutung. Er schränkt die Höhe des Krankengeldes ein.

Das Krankengeld gehört zu den Hauptleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Es ist zugleich der Grund, weshalb die Berechnungsgrenze eingeführt wurde. Regierung und Krankenkassen gehen davon aus, dass Gutverdienende einen Teil ihrer Kosten bei Krankheit aus eigenen Mitteln bezahlen können. Das entlastet die Krankenkassen von Zahlungspflichten und sorgt dafür, dass die Leistungen ein bestimmtes Level nicht überschreiten.

Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung?

Die Höhe der Beitragsbemessungsgrenze wird von Regierungsseite festgelegt. Die Grundlage dafür ist die Lohnentwicklung aus dem Vorjahr. Steigt das durchschnittliche Einkommen, erhöht sich auch die Beitragsbemessungsgrenze.

2021 liegt die BBG bei

Euro (brutto) pro Jahr
Euro (brutto) pro Monat

In den vergangenen Jahren stieg die Beitragsbemessungsgrenze für die Krankenversicherung allmählich immer weiter an. In der Übersicht sehen Sie die Entwicklung der Größe innerhalb der letzten zehn Jahre:

JahrHöhe jährlich / monatlich
2022(voraussichtlich) 58.050 Euro / 4.837,50 Euro
202158.050 Euro / 4.837,50 Euro
202056.250 Euro / 4.687,50 Euro
201954.450 Euro / 4.537,50 Euro
201853.100 Euro / 4.425,00 Euro
201752.200 Euro / 4.350,00 Euro
201650.850 Euro / 4.237,50 Euro
201549.500 Euro / 4.125,00 Euro
201448.600 Euro / 4.050,00 Euro
201347.250 Euro / 3.937,50 Euro

 

Dieser Trend wird sich im kommenden Jahr jedoch nicht fortsetzen. 2022 wird es voraussichtlich keine Änderung der Grenzwerte geben. Ein Hauptgrund ist die Corona-Pandemie, die 2020 dafür sorgte, dass das Lohnniveau in Deutschland stagnierte. Die vorläufigen Zahlen für die Beitragsbemessungsgrenze 2022 veröffentlichte das Bundesgesundheitsministerium im September, die Bestätigung durch das Parlament muss noch erfolgen.

Welche Bedeutung hat die Beitragsbemessungsgrenze für die Kassenbeiträge?

Gleich vorweg: In erster Linie ist die BBG für gesetzlich Versicherte interessant, die sehr gut verdienen. Angestellte, die mehr als die rund 4.840 Euro im Monat verdienen, erhalten einen Teil des Einkommens beitragsfrei, also ohne Abzüge der Krankenversicherungsbeiträge. Die Kosten für die Krankenversicherung sind für sie also dank der Eingrenzung niedriger. An einem Zahlenbeispiel wird dies deutlicher:

Zahlenbeispiele: Welches Einkommen wird zur Beitragsberechnung herangezogen?

Eine Angestellte verdient monatlich 4.500 Euro brutto. Sie liegt mit diesem Verdienst unter der BBG.

Der Grundbeitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Als Angestellte zahlt unsere Beispielkundin nur die Hälfte, also rechnen wir mit 7,3 Prozent.

Monats­gehaltFür Beitrags­berechnung werden berücksichtigtKosten für Kranken­versicherung
4.500 Euro4.500 Euro(4.500 Euro x 7,3 % =)

328,50 Euro + Zusatzbeitrag

Die BBG spielt hier keine Rolle.

Nach einem Jahr wird die Angestellte befördert und verdient im Monat 5.100 Euro pro Monat. Damit liegt sie eindeutig über der Beitragsbemessungsgrenze der Krankenkasse. Nun ergeben sich folgende Zahlen:

Monats­gehaltFür Beitrags­berechnung werden berücksichtigtKosten für Kranken­versicherungZum Vergleich: Kosten der Kranken­versicherung ohne Beitrags­bemessungs­grenze
5.100 Euro4.837,50 Euro(4.837,50 Euro x 7,3% =)

353,14 Euro + Zusatzbeitrag

(5.100 Euro x 7,3% =)

372,30 Euro +Zusatzbeitrag

  • Weil nicht der gesamte Bruttolohn in die Berechnung der Krankenkassenbeiträge eingeht, sind die Versicherungskosten für die Angestellte geringer. Selbst wenn sie eine weitere Lohnerhöhung erhält, bleiben ihre Krankenversicherungskosten auf dieser Summe stehen. Ohne die Beitragsbemessungsgrenze würde sie höhere Kassenbeiträge zahlen müssen.

Welche Bedeutung hat die BBG für die private Krankenversicherung (PKV)?

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung ergeben sich die Kosten in der PKV nicht aus dem Einkommen, sondern aus Faktoren wie Tarif, Leistungsumfang, Gesundheitszustand und Alter der Versicherungsnehmer:innen, Selbstbehalt und weiteren Vertragsbedingungen, die Sie individuell mit der Versicherung vereinbaren.

Der Maximalbetrag der GKV spielt in der PKV für die Beitragsberechnung dennoch eine wichtige Rolle und das gleich in zweifacher Hinsicht:

Er gibt den Höchstbetrag für den Basistarif vor.

Er bestimmt den maximalen Arbeitgeberzuschuss, den privatversicherte Angestellte erhalten.

Den Basistarif gibt es seit 2009 in der privaten Krankenversicherung. Er entstand im Zuge der Gesundheitsreform, als die Krankenversicherungspflicht in Deutschland eingeführt wurde. Nun mussten auch die PKVs einen Tarif anbieten, der offen für alle ist. Bei Leistungen und Kosten orientiert sich der Basistarif an der gesetzlichen Krankenversicherung. So dürfen die Beiträge für den Tarif den Höchstbetrag in der GKV nicht übersteigen. Für die Berechnung liefert die Beitragsbemessungsgrenze die entscheidenden Informationen.

Der Höchstbetrag für den PKV-Basistarif

Für die Berechnung brauchen wir den durchschnittlichen Beitragssatz für die gesetzliche Krankenkasse. Dieser setzt sich zusammen aus dem Grundbeitragssatz (14,6 Prozent) und dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag (1,3 Prozent für 2021). Er liegt derzeit bei 15,9 Prozent.

15,9 Prozent von 4.837,50 Euro sind 769,16 Euro.

Der PKV-Basistarif darf demnach nicht mehr als 769 Euro kosten.

Der Arbeitgeberanteil in der PKV

Angestellte, die PKV-versichert sind, teilen sich die Kosten für die Krankenversicherung mit der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber zu 50 Prozent – so wie es auch in der GKV üblich ist. Laut Gesetz darf der Zuschuss für die PKV nicht höher sein als der Betrag, den das Unternehmen für eine:n Angestellte:n mit gesetzlicher Krankenkasse zahlen würde.

Der Höchstbetrag liegt aktuell bei (769,16 Euro / 2 =) 384,58 Euro pro Monat.

Kostet der PKV-Tarif mehr als 769,16 Euro, ist der Zuschuss voll ausgereizt und der oder die Arbeitnehmer:in muss den Rest selbst übernehmen.

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Beitragsbemessungs­grenzen bei anderen Sozialversicherungen

Auch in der Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung gibt es jeweils eine Beitragsbemessungsgrenze. Diese unterscheiden sich teils in den alten und neuen Bundesländern. Abgesehen davon funktionieren sie nach demselben Prinzip wie die BBG der Krankenversicherung: Sozialversicherungsbeiträge werden nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe abgezogen. Für Einkommen, das über dieser Grenze liegt, werden keine Beiträge gezahlt.

Folgende Beitragsbemessungsgrenzen gelten 2021 in der Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung

Versicherungs­artWestOst
Pflege­versicherung4.837,50 Euro pro Monat4.837,50 Euro pro Monat
Arbeitslosen- und Renten­versicherung7.100 Euro pro Monat6.700 Euro pro Monat
Knapp­schaftliche Renten­versicherung8.7000 Euro pro Monat8.250 Euro pro Monat

 

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Was ist die Versicherungspflichtgrenze?

Ab einem bestimmten Einkommen haben Sie als Angestellte:r die Möglichkeit, aus der gesetzlichen Krankenversicherung in die private Krankenversicherung zu wechseln. Sie sind von der Verpflichtung, sich in der GKV zu versichern, befreit. Diese Einkommensgrenze ist die Versicherungspflichtgrenze, auch Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt.

Auch diese Rechengröße wird jährlich durch die Politik an die Lohnverhältnisse angepasst.

2021 liegt sie bei 64.350 Euro (brutto) pro Jahr bzw. bei monatlich 5.362,50 Euro (brutto).

Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze werden gerne verwechselt. Abgesehen davon, dass beide Zahlen bestimmte Rechengrößen aus der Sozialversicherung sind, hat die häufige Verwechslung noch einen anderen Grund. Achtung, aufgepasst!

Bis zum 31. Dezember 2002 waren Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze gleich hoch. Seit 2003 wurde die Versicherungspflichtgrenze deutlich angehoben. Für viele Privatversicherte hätte das die Rückkehr in die GKV bedeutet, weil ihr Einkommen plötzlich unter diesem Höchstwert lag. Die Politik führte daher die „besondere Versicherungspflichtgrenze“. Diese ist tatsächlich identisch mit der Beitragsbemessungsgrenze. Sie gilt nur für Personen, die vor bereits 2002 privat versichert waren.

Neben der Versicherungspflicht bestimmt die JAEG auch, ob ein Kind privat oder gesetzlich versichert werden muss. Ist ein Elternteil privat versichert und hat einen Verdienst oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, muss auch das Kind in der PKV versichert werden. Allerdings nur dann, wenn dieser Verdient das Haupteinkommen der Familie ist.

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