Expertentipps für den
Rechtsstreit

Gut gestritten ist halb gewonnen

  • Viele Tipps von Experten
  • Fachwissen zu verschiedenen Rechtsstreit-Bereichen
  • Die wichtigsten Informationen zum Download

Wie Sie einen Streitfall ohne großen Ärger überstehen

Kleine Meinungsverschiedenheiten wie ein Nachbarschaftsstreit über einen zu hohen Baum entwickeln sich häufig zu einem handfesten Rechtsstreit. Auch eine Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber wegen einer Abmahnung oder Kündigung sowie Uneinigkeiten um das Erbe landen schnell vor Gericht. Ein solcher Streit kostet die Beteiligten oft nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit und Nerven.

Unnötige Fehler ziehen die Auseinandersetzung dabei zusätzlich in die Länge. Wir haben daher Experten befragt, welche Stolperfallen im Streitfall lauern und wie sich dieser vielleicht doch noch ohne Gericht lösen lässt. Die Fachleute geben Ihnen wertvolle Tipps, damit Sie den Zwist mit dem Vermieter, den Zoff mit dem Arbeitgeber oder den Erbstreit mit den Verwandten möglichst ohne großen Ärger überstehen.

 

Hier können Sie Expertentipps für Ihren Streitfall herunterladen:

Reden ist Gold wert: Das sollten Sie bei einem Streit als Erstes tun

Bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen Ihnen und einer anderen Person, beispielsweise über die neueste Mieterhöhung oder den Gartenzaun Ihres Nachbarn, ist es wichtig, zunächst das Gespräch zu suchen. Viele Differenzen lassen sich in einer persönlichen Unterhaltung schnell klären.

Wenn das nicht hilft, informieren Sie sich im nächsten Schritt darüber, wer von Ihnen Recht hat. Prüfen Sie die Rechtslage und lassen Sie sich von entsprechenden Stellen wie Verbraucherzentralen oder Mietervereinen beraten. Diese gewährleisten einen objektiven Blick auf die Sachlage und geben Ihnen eine Einschätzung, ob der Streit für Sie Aussicht auf Erfolg hat.

Weiterhin helfen Ihnen folgende Tipps:

Tipp Nr.1

Überlegen Sie sich, ob Sie die Mühen eines Rechtsstreits auf sich nehmen wollen. Selbst bei guten Erfolgschancen haben Sie keine Garantie, dass Sie am Ende Recht bekommen.

Tipp Nr.2

Bedenken Sie die Folgen einer rechtlichen Auseinandersetzung. So ist das Verhältnis mit dem Arbeitgeber, Nachbarn oder Vermieter nach einem Rechtsstreit wohl zerrüttet.

Tipp Nr.3

Lassen Sie sich nicht von Ihrer Angst vor möglichen Folgen davon abhalten, für Ihr Recht zu kämpfen. Holen Sie sich dafür frühzeitig Unterstützung von den jeweiligen Anlaufstellen.

Wie setzen Sie Ihr Recht durch?

Findet sich trotz zahlreicher Gespräche kein Kompromiss, ist es ratsam, den Streitfall mit professioneller Hilfe anzugehen. Als Grundlage dafür sind Beweise für Ihre Position wichtig. Dazu gehören entsprechende Dokumente, Fotos oder Videoaufnahmen sowie eventuell Zeugen, die Ihre Ansicht untermauern. Je mehr Belege Sie haben, desto besser.

Besprechen Sie gemeinsam mit einem Anwalt das weitere Vorgehen für Ihren Konflikt. Ihr Rechtsbeistand kümmert sich dann um den Kontakt mit Ihrem Gegenüber, setzt erforderliche Dokumente auf und reicht Anträge ein.

Aufgepasst

Bis zur ersten Instanz, in vielen Fällen das Amtsgericht, können Sie sich oftmals ohne Anwalt selbst vertreten. Ab dem Landgericht gilt meist eine Anwaltspflicht, sodass Sie spätestens jetzt professionelle Unterstützung benötigen, damit es überhaupt zu einer Verhandlung kommt.

Wo finden Sie professionelle Hilfe bei Ihrem Rechtsstreit?

Bei der Suche nach einem passenden Anwalt hilft Ihnen einerseits das Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer. Außerdem dienen auch Anwaltsportale im Internet als Unterstützung. Dort können Sie Ihr Problem schildern und prüfen lassen. Die Portale arbeiten mit verschiedenen Rechtsanwälten zusammen, die sich je nach Fachgebiet den Streitfällen annehmen und eine Erstberatung vornehmen.

Stefan Schütt von yourXpert

„Auf einem Anwaltsportal erhalten Sie innerhalb kürzester Zeit konkreten Rat vom Experten - und das zu einem fairen Preis. Der Anwalt erklärt Ihnen, wie Sie Ihren Streitfall erfolgreich sowie mit möglichst geringem Kosten- und Nervenaufwand lösen können.”

Viele Streitfälle lassen sich sogar komplett über Anwaltsportale lösen, sagt Stefan Schütt von yourXpert. „Die Art der Beratung wählen Ratsuchende je nach Anliegen: Sie können sich schriftlich beraten lassen, per Chat oder telefonisch. Haben sie beispielsweise nur eine kurze Frage zu ihrem Recht als Mieter oder Vermieter, bietet sich ein Telefonat mit einem Anwalt für Mietrecht an. Möchten Kunden hingegen ihren gesamten Mietvertrag prüfen lassen, ist die schriftliche Form geeigneter.” Bei manchen Streitfällen ist zudem eine weiterführende Beratung notwendig. Hierfür bekommen Ratsuchende entweder ein Angebot vom Anwalt, der die Erstberatung durchgeführt hat, oder die notwendigen Informationen, wie weiter vorzugehen ist.

In der Regel können Ratsuchende bei Anwaltsportalen vorab einsehen oder sogar selbst angeben, wie viel sie die erste Einschätzung maximal kosten wird. Die Kostentransparenz ist sehr wichtig, betont Michael Friedmann von der Plattform Frag-einen-Anwalt.de. Denn oftmals verbinden Menschen mit der Beratung durch einen Anwalt horrende Kosten und schrecken daher vor seiner Hilfe zurück. „Das Wichtigste ist daher, Hemmschwellen abzubauen, sodass Menschen sich trauen, rechtliche Unterstützung für ihr Problem einzuholen”, wie Friedmann unterstreicht. Ein persönlicher Kontakt mit dem jeweiligen Rechtsbeistand ist ihm zufolge eher zweitrangig.

Michael Friedmann von Frag-einen-Anwalt.de

„Solange Ratsuchende das Gefühl haben, dass sich jemand sorgfältig um ihr Problem kümmert und sich damit auskennt, ist es egal, ob der Anwalt persönlich vor ihnen sitzt oder nicht.”

Ferzen Agirmann vom Juraforum

„Im Falle eines Rechtsstreits sollten Menschen immer einen Rechtsanwalt kontaktieren, der auch auf dem entsprechenden Rechtsgebiet tätig beziehungsweise spezialisiert ist.”

Besonders ratsam bei einem Rechtstreit ist, sich frühzeitig um rechtliche Unterstützung zu bemühen. So versuchen viele Streitende meist zu lange, den Konflikt auf eigene Faust zu lösen anstatt einen Anwalt zu beauftragen. Dadurch kommt es häufig zu Fehlern wie verstrichenen Fristen für bestimmte Dokumente. „Der Rechtsanwalt kann gemachte Fehler oder Versäumtes dann eventuell nicht mehr nachholen oder 'gerade biegen'”, weiß Ferzen Agirmann, Rechtsanwalt beim Portal Juraforum. Im schlimmsten Fall führt dies dazu, dass Sie den Rechtstreit verlieren, obwohl Sie eigentlich im Recht waren.

Wo erhalten Sie im Streitfall finanzielle Unterstützung?

Ein Rechtsstreit verursacht häufig hohe Kosten. Insbesondere wenn der Streit vor Gericht geht, kommen schnell vier- bis fünfstellige Summen zusammen. Denn es fallen nicht nur Anwaltsgebühren an, sondern auch Ausgaben für das Gericht, Gutachter und Zeugen. Verlieren Sie den Rechtsstreit, tragen Sie in der Regel zudem die Aufwendungen der Gegenseite.

Geringverdiener, die die Kosten für ein Gerichtsverfahren nicht aufbringen können, haben die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen. In diesem Fall springt der Staat für die jeweiligen Ausgaben ein. Auch für die erste Beratung durch einen Anwalt können Sie finanzielle Unterstützung beantragen: die sogenannte Beratungshilfe.

Schon gewusst?

Bei einer Niederlage vor Gericht werden zwar Ihre Ausgaben sowie die Verfahrenskosten über die Prozesskostenhilfe gedeckt. Für den gegnerischen Anwalt müssen Sie jedoch selbst aufkommen.

Rechtsschutz­versicherung schützt vor finanziellen Problemen

Finanzielle Unterstützung bekommen Streitende auch mit einer Rechtsschutzversicherung. Diese übernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten – ganz gleich, ob Sie gewinnen oder verlieren. Grundvoraussetzungen dafür sind, dass der Streit erst nach dem Abschluss der Versicherung begonnen hat und dass die Versicherung an Ihren Erfolg bei dem Rechtsstreit glaubt. Bei zu geringen Erfolgsaussichten erhalten Sie kein Geld.

Einige Anbieter sehen eine Wartezeit vor, bevor Sie Leistungen in Anspruch nehmen dürfen. Zudem schlagen viele Rechtsschutzversicherer im Streitfall zunächst den Weg der Mediation vor. Für eine telefonische Mediation übernehmen sie in der Regel die kompletten Kosten aller beteiligten Parteien. Wenn Sie sich ein persönliches Gespräch wünschen, zahlt die Versicherung meist Ihren Anteil für die Schlichtung.

Aufgepasst

Einige Streitfälle werden von den meisten Rechtsschutzversicherungen ausgeschlossen. Dazu gehören unter anderem Erb- und Ehestreitigkeiten. Hierbei übernimmt der Versicherer häufig nur die Kosten für eine anwaltliche Erstberatung.

Es muss nicht vor Gericht gehen

Ein Streit vor Gericht lässt sich häufig durch eine Mediation vermeiden. Dies bedeutet eine gemeinsame außergerichtliche Konfliktlösung. Vor allem bei persönlichen Streitigkeiten, zum Beispiel zwischen Geschwistern, Ehe- oder Geschäftspartnern sowie Nachbarn, kann Mediation für eine friedliche Einigung sorgen. Der Mediationsanwalt Michael Plassmann sieht darin viele Vorteile.

Die wichtigsten Fakten zur Mediation:

  • Bringt Streitende über einen Mediator ins Gespräch

  • Lässt Parteien gemeinsam eine Lösung für den Konflikt finden

  • Spart im Vergleich zum Gerichtsstreit Kosten und Nerven

  • Findet telefonisch oder persönlich statt

  • Hat je nach Streitfall eine Erfolgsquote von rund 80 Prozent

  • Teilt die Kosten zwischen den Parteien auf

Michael Plassmann, Mediationsanwalt

„Das Schöne an der Mediation ist, gemeinsam langfristige und tiefergehende Lösungen zu finden, mit denen vorher niemand gerechnet hat. Zudem bietet eine Mediation die Chance, im geschützten Raum über Probleme zu sprechen, Beziehungen zu hinterfragen und passgenaue Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.”

Damit die Mediation möglichst erfolgreich verläuft, geben die Experten Ihnen hilfreiche Tipps. „Denn Konflikte sind wie ein schwerer Rucksack, den Menschen mit sich tragen. Je früher dieser abgenommen wird, desto besser”, weiß Mediationsexperte Plassmann.

Ein häufiger Fehler rund um die Mediation ist, dass die Konfliktparteien eine vorgefertigte Lösung erwarten, erklärt Dr. Gernot Barth, Mediator für Konflikte in der Familie und in der Wirtschaft.

Dr. Gernot Barth, Mediator

„Streitende erhoffen sich vom Mediator oft Ratschläge zur Bewältigung ihres Konflikts. Nur selten sind sich die Medianden bewusst, dass sie selbst eine Lösung finden müssen. Nur wenn die Konfliktparteien in der Lösungssuche ratlos sind, sollte der Mediator Ratschläge geben.”

Dr. Barths Tipps für eine gelungene Mediation sind:

  • Suchen Sie sich einen Mediator, der zu Ihnen passt und über den Sie Empfehlungen bekommen haben.

  • Planen Sie genügend Zeit für die Mediation ein, bereiten Sie sich darauf vor und bereiten Sie die Sitzungen nach.

  • Versuchen Sie, Ihre Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft nicht abreißen zu lassen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Mediation ist in den Augen von Plassmann, dass zuvor eine tiefergehende Konfliktanalyse erfolgt, bei der Anwalt und Mandant gemeinsam abwägen, ob eine Mediation im konkreten Fall sinnvoll ist.

Das Verfahren kann beispielsweise helfen, die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien wieder in Gang zu bringen, wenn diese nicht mehr miteinander sprechen wollen, weiß der Zertifizierte Mediator und Prozessberater Herbert Hofmann.

Michael Plassmann, Mediationsanwalt

„Eine gute Mediation muss den Ursachen des Konflikts auf den Grund gehen. Dafür braucht es einen Dreiklang: 1. Worüber müssen wir überhaupt sprechen? 2. Welche Interessen haben die Parteien? 3. Wie lassen sich gemeinsam kreative Lösungen finden?”

Ablauf einer Mediation:

Die Mediation ist ein klar strukturiertes Verfahren, das sich über verschiedene Stufen erstreckt. Phasen der Mediation sind laut dem Experten Hofmann:

  • die Auftragsklärung und das Arbeitsbündnis

  • die Benennung der Konfliktfelder

  • der Austausch von Positionen

  • und Interessen

  • die Lösungsfindung

  • die Ratifizierung

Als Ziel der Mediation steht an erster Stelle, für alle Beteiligten vorteilhafte Lösungen zu finden. "Die Ergebnisse werden anschließend schriftlich festgehalten und sind rechtlich bindend. Falls nötig, kann zur Vertragsformulierung ein Anwalt oder Notar zurate gezogen werden, beispielsweise bei Vermögensauseinandersetzungen oder Erbstreitigkeiten", erklärt Hofmann.

Herbert Hofmann, Zertifizierter Mediator und Prozessberater

„Bei einer Shuttle-Mediation führt der Mediator Einzelgespräche mit den Konfliktbeteiligten und trägt die Informationen vermittelnd von einem Streitpartner zum anderen, bis nach und nach das gegenseitige Vertrauen wieder wachsen und ein Dialog stattfinden kann.”

Grenzen der Mediation:

Auch wenn die Mediation eine beliebte Methode ist, eine Auseinandersetzung möglichst friedlich zu lösen, eignet sich das Verfahren nicht für jeden Streitfall. Wenn der Konflikt beispielsweise schon zu tief eskaliert ist oder sich um fundamentale Glaubensfragen dreht, stößt die Mediation ebenso an ihre Grenzen wie bei fehlenden Ermessensspielräumen, weiß Mediationsexperte Hofmann. In solchen Fällen helfen ihm zufolge häufig Einzelcoachings, Trainings in Gewaltfreier Kommunikation oder eine sogenannte Shuttle-Mediation.

Wie sich ein Konflikt am besten lösen lässt, hängt neben finanziellen und persönlichen Aspekten vom Verhältnis zum Gegenüber ab. Stehen Sie Ihrem Streitpartner sehr nah, dürfte es einige Überwindung kosten, mit diesem vor Gericht zu ziehen.

Damit es erst gar nicht zu einem langwierigen Rechtsstreit kommt, helfen Ihnen unsere Expertentipps. Um Ihren Mietstreit, Erbstreit oder Konflikt mit dem Arbeitgeber ohne großen Ärger zu überstehen, geben Ihnen Fachanwälte und andere Experten wertvolle Hinweise, worauf Sie im Streitfall achten und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Hier können Sie Expertentipps für Ihren Streitfall herunterladen:

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